Antizyklisches Handeln – warum sich Mut auszahlt


Wer wagt, gewinnt. So ein deutsches Sprichwort. In Krisenzeiten reagieren Unternehmen jedoch häufig zurückhaltend und gehen auf Sparkurs. Geplante Projekte werden verschoben, Investitionen zurückgefahren. Doch Kosten sparen ist nicht immer ratsam. Wenn sich die Wirtschaft langsam wieder erholt, kehrt auch der Wettbewerb zurück. Unternehmen, die schon früh strategische Weichen stellen und damit antizyklisch handeln, haben gute Chancen zu profitieren, wenn es wieder aufwärts geht.


Antizyklisches Handeln – was bedeutet das?


Antizyklisches Investieren ist eine alte Börsenweisheit. Dabei geht es darum Aktien zu kaufen, wenn alle anderen Anleger verkaufen. Das Ziel ist, möglichst hohe Erträge zu erzielen, wenn die Aktien wieder steigen. Die Kunst ist, den richtigen Zeitpunkt, die Talsohle, zu treffen. Antizyklisch beschreibt also ein Verhalten entgegen dem allgemeinen Trend. Laut Umfrage von McKinsey ist antizyklisches Handeln einer von sieben Lösungsansätzen zur Krisenbewältigung. Allerdings sehen nur 17 Prozent der befragten Unternehmen die Krise als Impuls, um notwendige Veränderungen voranzutreiben. Unternehmen, die jetzt in die richtigen Unternehmensbereiche investieren statt auf die Vollbremse zu drücken, kann es gelingen, zyklisch handelnde Wettbewerber beim Aufschwung hinter sich zu lassen.

In der Krise werden die Märkte neu verteilt. Geschäftsmodelle werden digitaler, Lieferketten kürzer und Produktionsprozesse verändern sich. Wer jetzt schnell und entschlossen handelt und sich flexibel auf neue Kundenbedürfnisse einstellt, hat gute Chancen als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. 


Wir haben uns drei Bereiche genauer angeschaut, in denen Unternehmen jetzt von antizyklischem Handeln profitieren können:


1. INNOVATION VORANTREIBEN

Eine Analyse des Leibnitz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat gezeigt, dass innovative Unternehmen Krisen besser überstehen und weniger Stellen abbauen als weniger kreative Firmen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, werden Innovationen vorangetrieben, neue Vertriebswege erschlossen oder Lücken im Bereich der Digitalisierung aufgedeckt. Für die Umsetzung kann es  hilfreich sein, eine externe Unterstützung in den Innovationsprozess miteinzubinden. Externes Wissen sorgt für neue Aspekte und Innovationsvorhaben können effektiver und effizienter umgesetzt werden. Auch lohnt sich eine Investition in Forschung und Entwicklung. Das Aufrüsten des Angebots durch Mehrwerte in Produkt und Service kann dazu beitragen, neue Kunden für sich zu gewinnen und freie Nischen zu besetzen.

In diesem Blogartikel können Sie noch einmal nachlesen, mit welchen innovativen Ideen Unternehmen während der Corona-Krise angetreten sind, um weiterhin Umsätze zu generieren.



2. DIGITALISIERUNG LEBEN

Die Krise hat viele Unternehmen in den letzten Wochen dazu gezwungen, sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen. Meetings finden online über Videokonferenz-Tools statt, Bürotelefone werden auf Handys umgeleitet und Lehrer nutzen das Internet als Alternative für ihren Unterricht. Das alles hat gezeigt: es funktioniert! Wenn Unternehmen diesen Digitalisierungs-Schub für sich nutzen und in digitale Plattformen, Produkte und Services investieren, kann eine alternative Ertragsmöglichkeit entstehen.

Einen guten Einstieg in das Thema Digitalisierung bietet auch die Automatisierung von internen Prozessen oder die Nutzung von Software-as-a-Service-Angeboten (kurz SaaS), durch die sich langfristig Kosten reduzieren lassen. Bei allen Digitalisierungsinitiativen gilt: „Better done than perfect.“ Das Umstellen auf neue Technologien ist ein Schritt-für-Schritt-Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Was auch immer Unternehmen planen: sie sollten zunächst ein klares Bild davon haben, welchen Nutzen die Digitalisierung ihnen bringt.


3. PERSONAL SICHERN

Der eingeschränkte Betrieb sorgt noch immer dafür, dass Mitarbeiter entlassen werden, um laufende Kosten zu reduzieren. Was auf dem Konto gespart wird, verliert die Firma dafür an anderer Stelle: Know-how, das für den Aufschwung dringend benötigt wird, verschwindet. Wenn sich die Märkte stabilisieren, werden Experten und Fachkräfte benötigt, die nach einem Personalabbau mit zeitlichem Verzug und hohen Rekrutierungskosten gesucht werden müssen – genau dann, wenn die Konkurrenz ebenfalls wieder durchstartet. Anstelle von Personalabbau sollte also lieber an anderer Stelle gekürzt werden. Das gilt vor allem dann, wenn das Geschäft nach der Krise wieder anrollt und neue Aufträge anstehen. Sich von Mitarbeitern und ihrem Know-how zu trennen, lohnt sich für Unternehmen langfristig gesehen also nicht. 

Gerade in stark umworbenen Branchen bietet der Arbeitsmarkt Chancen. Unternehmen, die Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften haben, profitieren nun vom Sicherheitsgedanken der Bewerber, die nach einer festen Anstellung suchen. Mit guten Ideen und einer ausgearbeiteten Unternehmensstrategie unterstützen qualifizierte Fachkräfte Unternehmen nicht nur bei der Sicherung ihrer Marktposition, sondern helfen auch beim Ausbau. Somit eine Win-Win-Situation – für Mitarbeiter als auch Unternehmen.