„Das Online-Festivalgeschäft wird auf jeden Fall weitergehen“

Holger Franck, Geschäftsführer tokati GmbH

Holger Franck ist Gründer und Geschäftsführer der tokati GmbH. Seit fast 20 Jahren leitet der gelernte Journalist die Medienagentur in Schwerin. Im Interview erzählt Franck, wie er das gute alte Kino krisenresistent machte und was ihm am Firmenkredit der ING über Lendico besonders gefallen hat.


Wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen in der Corona-Krise?

Uns geht es sehr gut. Zu Beginn der Krise im März und April hatten wir einen kleinen Einbruch, da eine größere Printkampagne im Bereich Tierfutter gestoppt werden musste. Doch wir haben gleich nach Alternativen gesucht – und Kunden angeboten, Filmfestivals digital zu übertragen. Kinos werden noch eine ganze Weile nur sehr eingeschränkt funktionieren, da sind Online-Angebote eine Alternative. Und es läuft gut mittlerweile: Das Filmkunstfestival in Schwerin haben wir im Mai komplett digitalisiert und gestreamt, anschließend das Kurzfilmfestival in Hofheim und im Oktober nun das International Queer Filmfestival in Hamburg. Im Moment sind wir im Gespräch mit zwei weiteren Festivalorganisatoren.


Sie sind also sehr gut ausgelastet.

Ja, das kann man so sagen. Dabei waren die Organisatoren der Festivals anfangs gar nicht an unserem Angebot interessiert. Damals hieß es noch: „Bis Mai haben die Kinos sicher wieder auf…“ Aber das hat sich dann nicht bewahrheitet und dann musste es plötzlich recht schnell gehen.


Digital von Zuhause: Für Holger Franck das Kino der Zukunft.  

Haben Sie in der Krise Soforthilfen oder andere öffentlichen Finanzhilfen in Anspruch genommen?

Einige Mitarbeiter haben vorübergehend in Kurzarbeit gearbeitet. Soforthilfen haben wir nicht in Anspruch genommen, da waren die Konditionen nicht ganz klar. Und einen Kredit brauchten wir nicht aufzunehmen: Denn erst kurz vor der Krise hatten wir unseren zweiten Firmenkredit der ING über Lendico vermittelt bekommen. Das war in dem Moment ein sehr gutes Gefühl, denn die entstandene Delle im Umsatz konnten wir damit gut abfangen.


Wie sind Sie auf Lendico aufmerksam geworden?

Wir hatten bereits 2018 einen Firmenkredit über Lendico zur Zwischenfinanzierung aufgenommen. Damals lief bereits alles sehr gut und flexibel, wir waren sehr zufrieden. Ursprünglich auf Lendico aufmerksam wurden wir durch ein Anschreiben per Post. Das klang sehr gut, und die ING als Finanzierungspartner hat uns damals überzeugt.


Wie lief das Finanzierungsvorhaben für Sie mit Blick auf Ihre ursprünglichen Pläne?

Den zweiten größeren Kredit hatten wir eigentlich aufgenommen, um zu expandieren und unser Geschäft strukturell zu verändern. Dies haben wir nun mit Verzögerung umgesetzt. Seit August haben wir einen neuen Vertriebsleiter, seit September einen neuen Leiter der Webentwicklung sowie einen Leiter für den Hostingbereich. Insofern lief das Finanzierungsgeschäft auf jeden Fall erfolgreich.


Wie dürfen wir uns Ihr Unternehmen vorstellen?

Unsere 22 Mitarbeiter teilen sich auf zwei unabhängige Gesellschaften auf: Unsere Projekte laufen über tokati, die ich 2001 als GbR gegründet und 2013 zur GmbH umgewandelt habe. Für den IT-Bereich ist die 2009 eigens gegründete GmbH bergwerk zuständig. Hier läuft alles, was mit der technischen Seite von Inhalten und Projekten zu tun hat – also Digitalisierung und eben auch Hosting, das heißt IT-Leistungen aus unserem Rechenzentrum. Operativ ist das für uns ein separates Unternehmen. Die Klammer ist auch meine Person als Geschäftsführer beider Gesellschaften, die im selben Haus sitzen. bergwerk bietet dann noch anderen Agenturen IT-Services an.


Das Finanzierungsvorhaben lief also erfolgreich – Sie sagten aber: mit Verzögerung. Konnten Sie Ihren Kredit über Lendico auch nutzen, um besser durch die Krise zu kommen?

Ja. Es hängt einiges daran, ein Filmfestival komplett ins Internet zu verlagern. Man muss zum Beispiel Filmrechte für die Online-Nutzung aushandeln. Und man braucht einen leistungsfähigen Online-Shop, der vom Ticket für einzelne Filme bis hin zum Festivalticket alles anbietet. Technisch muss sichergestellt sein, dass der Nutzer den Zugang zu den Filmen bekommt, die er gekauft hat. Und dann braucht man jede Menge Serverkapazität, die wir allein mit unseren Servern gar nicht liefern können. Wir mussten also kurzfristig in so einiges investieren – und dafür kam der Kredit gerade recht.



Werden Sie in diesem, für Sie neuen Bereich dabeibleiben?

Ja, das Online-Festivalgeschäft wird für uns auf jeden Fall weitergehen. Für die Organisatoren ist ein Streaming des Filmfestivals derzeit die Rettung: Sie können trotz Corona Einnahmen erzielen. Aber es nicht nur das. Plötzlich können Kinos ihr Geschäft auch skalieren: Es nehmen Leute am Online-Festival teil, die sonst nicht ins Kino gekommen wären. Die Branche erschließt also neue Kundengruppen. Für die Zeit nach Corona haben die Festival-Betreiber schon jetzt signalisiert, mit Online-Übertragungen weiterzumachen. Dann vielleicht als Hybrid – im Kinosaal und im Online-Stream zu Hause.


Wie sah Ihr Arbeitsalltag während Corona aus?

Mit Beginn der Krise sind alle Mitarbeiter sofort ins Homeoffice gewechselt. Das geht in unserem Bereich sehr gut. Nur die Koordinatoren kamen durchgehend hier im Büro zusammen – und das war auch wichtig. Seit Mitte Juli arbeiten wir alle wieder im Büro. Ich denke, wir hatten in mehrerlei Hinsicht Glück: Zum einen gab und gibt es bei uns in der Region wenige Corona-Fälle. Schwerin ist zudem zwar die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, aber eine Stadt mit kurzen Wegen. Das haben wir übrigens für die Stadt in der Kampagne „Lebenshauptstadt Schwerin“ dargestellt. Arbeit, Wohnen, Kultur und Natur verbinden sich hier wunderbar. Unsere Mitarbeiter haben es also auch nicht weit ins Büro, was einem örtlich flexiblen Arbeiten entgegenkommt.


Herr Franck, vielen Dank für das Gespräch.






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