Digitalisierung, Kostensenkung, Kapazitätserweiterung: Das sind die Investitionspläne deutscher Unternehmen

Eine Frau begutachtet Metallstangen in einer Produktionsstätte.


Durch das Voranschreiten der Impfkampagne und die Verbesserung der Corona-Lage ist auch die Konjunktur in den vergangenen Wochen wieder in Schwung gekommen. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen ist so gut wie lange nicht – im Juni 2021 war das Geschäftsklima laut KfW-ifo-Mittelstandsbarometer auf dem höchsten Stand seit November 2018. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg – Industrie, Dienstleistungen, Einzelhandel – ist die Stimmung nun im positiven Bereich. Der optimistische Ausblick und die verbesserte Lage führen dazu, dass in der Wirtschaft auch wieder mehr investiert wird.

42 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen für 2021 mit einer Zunahme ihrer Investitionsaktivitäten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 2000 Unternehmen, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Juni durchgeführt hat. Lediglich 16 Prozent rechnen mit einem Rückgang ihrer Investitionen.


Sieben von zehn Unternehmen planen Investitionen

Vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor wird mehr investiert: Dort rechnen 44 beziehungsweise 45 Prozent mit steigenden Investitionen. Im Baugewerbe dagegen sind die Investitionserwartungen (32 Prozent rechnen mit einer Zunahme) etwas verhaltener.

Die Umfrageergebnisse des IW passen zur aktuellen KfW-Unternehmensbefragung. Auch darin zeigen sich die großen Investitionspläne deutscher Unternehmen. Laut der im Frühjahr durchgeführten Befragung planen 70 Prozent der Unternehmen, in den nächsten zwölf Monaten Investitionen zu tätigen. In der Industrie sind es mehr als 80 Prozent, im Dienstleistungssektor 62 Prozent und im Einzelhandel knapp 60 Prozent.


Die Investitionsziele der Unternehmen

Aber worin wollen die Unternehmen investieren? Auch das hat das KfW abgefragt: Wichtigstes Investitionsziel ist die Digitalisierung. Rund 50 Prozent der Unternehmen planen in die Digitalisierung zu investieren. Wichtige Investitionsziele sind außerdem Ersatzinvestitionen für den Austausch von Maschinen und Anlagen (48 Prozent), Kostensenkung (45 Prozent) sowie Erweiterungsinvestitionen (43 Prozent), also etwa zur Ausweitung der Produktionskapazität. Investitionen in den Klimaschutz (18 Prozent) haben hingegen weniger Priorität.

Zwar werden in der KfW-Studie die Ziele der geplanten Investitionen nicht nach Branche unterschieden. Dafür wird aber aufgeschlüsselt, worin die einzelnen Branchen im vergangenen Jahr investiert haben. Vor allem für den Einzelhandel war die Coronakrise offenbar ein Digitalisierungskatalysator: Fast drei Viertel der Einzelhandelsunternehmen haben in die Digitalisierung investiert. Das zeigt, dass der Online-Handel durch die Pandemie wohl noch einmal an Bedeutung gewonnen hat.

In der Industrie und im Dienstleistungssektor waren im vergangenen Jahr Ersatzinvestitionen das wichtigste Investitionsziel (53 beziehungsweise 50 Prozent). Bei den Industrieunternehmen fällt außerdem der hohe Wert für Erweiterungsinvestitionen auf. Fast die Hälfte hat in die Ausweitung des Geschäfts investiert. In diesen Ergebnissen spiegelt sich, dass die Industrie sehr gut durch die Coronakrise gekommen ist.

Doch auch im Dienstleistungssektor haben 42 Prozent der Unternehmen Erweiterungsinvestitionen und 48 Prozent Investitionen in die Digitalisierung getätigt. Die deutsche Wirtschaft stellt also branchenübergreifend die Weichen auf die Zeit nach der Coronakrise – und investiert in ihre Zukunftsfähigkeit.