Wachstum voraus: Das sind die Wirtschaftsaussichten für das zweite Halbjahr 2021

Stahlarbeiter gießt heißes, flüssiges Metall in eine Form.


Spüren Sie es auch schon? Nach einem langen und in vielerlei Hinsicht schwierigen Winter macht sich langsam, aber sicher Optimismus breit. Das betrifft die Pandemie-Lage: Die Impfkampagne geht voran. Und es betrifft – eng damit verbunden – die wirtschaftlichen Aussichten. Die Prognosen sehen ein starkes zweites Halbjahr mit kräftigem Wachstum voraus.

Gerade erst hat das Bundeswirtschaftsministerium seine Konjunkturprognose für 2021 von plus 3,0 auf plus 3,5 Prozent angehoben. Zwar ist die Wirtschaft im ersten Quartal noch um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Aber der Aufschwung im zweiten, dritten und vierten Quartal soll umso stärker ausfallen.

Mit dieser positiven Erwartungshaltung ist das Ministerium nicht allein. Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute legten kürzlich ihre Gemeinschaftsdiagnose vor, in der sie mit 3,7 Prozent sogar ein noch stärkeres Plus für dieses Jahr prognostizieren.


Unternehmen wollen wieder mehr investieren

Und der Aufschwung soll auch danach anhalten: Für 2022 rechnen die Institute mit einem Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent, das Wirtschaftsministerium sagt 3,6 Prozent voraus. Schon bald dürfte der coronabedingte Rückgang des Bruttoinlandsprodukts also mehr als aufgeholt sein.

Was konkret bedeutet das für die deutschen Unternehmen? Der ifo-Geschäftsklimaindex, der Lage und Erwartungen der Unternehmen zusammenführt, ist auf dem höchsten Stand seit Juni 2019. In einer aktuellen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft gaben außerdem 39 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie 2021 mehr produzieren wollen als im Vorjahr. Mit einem Rückgang rechnen nur 24 Prozent. Vor allem die Industrie ist optimistisch, aber auch bei den Dienstleistungsunternehmen planen 35 Prozent eine Zunahme.

Entsprechend wollen viele Unternehmen in den kommenden Monaten stärker investieren als noch im Vorjahr. Insgesamt rechnet jedes dritte Unternehmen mit einer Ausweitung der Investitionen, ein Viertel mit einem Rückgang. Industrie und Dienstleistungsunternehmen geben sich in dieser Hinsicht nichts: In beiden Wirtschaftsbereichen planen 34 Prozent der Unternehmen mehr Investitionen. Vor allem Firmen mit digitalem Geschäftsmodell haben in den kommenden Monaten viel vor – hier wollen 40 Prozent mehr investieren als im Vorjahr.


„Der Sommer wird gut werden“

Dass auch die Dienstleistungsunternehmen überwiegend Optimismus versprühen, dürfte vor allem daran liegen, dass sich die Perspektiven hinsichtlich der Pandemie inzwischen deutlich verbessert haben. Es wird immer mehr geimpft – und Länder wie die USA oder Großbritannien, deren Impfkampagnen schon weiter fortgeschritten sind, machen vor, wie sich das Leben dadurch wieder normalisiert.

Kurzum: „Der Sommer wird gut werden.“ Das sagt der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der bislang weniger durch Optimismus als durch Warnungen vor zu viel Risiko aufgefallen ist. Und wenn selbst einer der größten Mahner zum Optimisten wird, macht das umso mehr Hoffnung.



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