Über die Zukunft von Fintechs und Unternehmensfinanzierung – Interview mit Prof. Dr. Gunther Friedl

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Prof. Dr. Gunther Friedl von der TU München hat uns einige Fragen zur Zukunft der Fintechs und der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen beantwortet. Er ist u.a. Inhaber des Lehrstuhls für Controlling der TU München, Leiter des Ludwig-Fröhler-Instituts für Wirtschaft und Recht im deutschen Handwerk und Teil unseres Lendico Academic Boards.

Unser Interview mit Prof. Dr. Gunther Friedl

Lendico: Was halten Sie von Fintech? Welches Potential trauen Sie den neuen Finanzdienstleistern zu?
Prof. Friedl: Die Digitalisierung wird das Geschäft mit Finanzdienstleistungen tiefgreifend verändern. FinTech-Startups haben das Potential, in praktisch alle Bereiche des traditionellen Bankgeschäfts vorzudringen. Die etablierten Banken reagieren mit eigenen Digitalisierungsstrategien und teilweise mit Kooperationen. Wer und welche organisatorische Aufstellung das Rennen gewinnt, ist völlig offen. Beispiele wie PayPal zeigen aber, dass den Angreifern einiges zuzutrauen ist.

 

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Lendico: Was halten Sie von Marketplace Lending?
Prof. Friedl: Das Modell des Marketplace Lendings, also das Zusammenführen von Kreditgebern und Kreditnehmern über Online-Plattformen, hat in vielen Marktsegmenten das Potential, bisherige Finanzierungsgewohnheiten in Frage zu stellen. Allein in den USA wurden 2014 Kredite im Volumen von etwa 5,5 Milliarden US$ über solche Plattformen vermittelt. Aus meiner Sicht sind es zwei Vorteile, die solche Plattformen gegenüber traditionellen Kreditgeschäften bieten: Zum einen können durch die geringeren Transaktionskosten günstigere Konditionen für Kreditnehmer mit attraktiven Renditen für Anleger verbunden werden. Zum anderen können die Plattformen mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit sowohl für Kreditnehmer als auch für Anleger den Prozess deutlich vereinfachen.

Interview mit Prof. Dr. Gunther Friedl über die Zukunft von Fintechs und Unternehmensfinanzierung

Lendico: Wo sehen Sie die Zukunft des Retailbankings?
Prof. Friedl: Das Retailbanking hat in den vergangenen Jahren in Deutschland einen erheblichen Umbau vollzogen, steht aber gleichwohl unter großem Druck. Die Digitalisierung wird das Retailbanking weiter verändern. Online- und Mobile-Geschäft werden zunehmen. Das Filialgeschäft wird es aber auch künftig geben. Kunden fordern hier allerdings ein verändertes Erlebnis in einer modernen Umgebung, in der Standardgeschäfte effizient und beratungsintensive Geschäfte in einer individuellen Gesprächsatmosphäre durchgeführt werden können. Insgesamt bietet die Digitalisierung natürlich auch den klassischen Anbietern ein großes Potential.

Lendico: Was sind die häufigsten Fehler, die kleine und mittlere Unternehmen bei der Finanzierung mit Fremdkapital machen?
Prof. Friedl: Kleine und mittlere Unternehmen weisen häufig eine zu hohe Verschuldung und eine zu geringe Eigenkapitalausstattung auf. Teilweise nehmen diese Unternehmen teure Kontokorrentkredite in Anspruch. Viele kleine Unternehmen haben nur eine Bankverbindung und betreiben keine aktive Kommunikation gegenüber ihrer Hausbank. Darüber hinaus werden Kredite häufig zu hoch besichert, was künftigen Handlungsspielraum einschränkt.

Lendico: Unterscheiden sich Handwerksbetriebe in ihren Finanzierungsgewohnheiten von anderen Unternehmen?
Prof. Friedl: Handwerksunternehmen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Finanzierungsgewohnheiten tatsächlich von anderen Unternehmen des Mittelstands. Die Eigenkapitalausstattung des Handwerks ist traditionell geringer als im übrigen deutschen Mittelstand. Mehr als 70% der Handwerksbetriebe haben eine Eigenkapitalquote von unter 20%. Im übrigen Mittelstand ist das nur bei unter 60% der Betriebe der Fall. So haben im Handwerk nicht einmal ein Drittel der Betriebe eine Eigenkapitalquote, die höher als 20% ist. Ein Drittel der Handwerksunternehmen nutzt den Kontokorrentkredit als Finanzierungsform. Etwa 40% der Unternehmen klagen über ein zu hohes Zinsniveau. Das dürfte aber auch daran liegen, dass der langfristigen Finanzierung teilweise nicht genug Beachtung geschenkt wird.

Lendico: Kleine und mittlere Unternehmen finanzieren sich fast ausschließlich mit Krediten über ihre Hausbank. Eine typisch deutsche Eigenschaft? Auch im Handwerk? Wie können neue Anbieter von Unternehmensfinanzierung hier überzeugen?
Prof. Friedl: Viele Handwerksunternehmer agieren auch bei der Unternehmensfinanzierung eher konservativ. Solange die Finanzierung über die Hausbank funktioniert, sehen die Unternehmer hier kaum einen Handlungsbedarf. Neue Anbieter müssen daher mit einer offensiven aber auch vertrauensbildenden Kommunikation auf diese Kundengruppe zugehen. Günstigere Konditionen zusammen mit einer einfachen und schnellen Abwicklung können die zentralen Argumente sein.

Lendico: Welche Vorteile bieten Marketplace Lending-Plattformen für kleine Unternehmen zur Optimierung ihrer Finanzierungsstruktur?
Prof. Friedl: Für kleine Unternehmen kann Marketplace Lending zum einen eine attraktive Möglichkeit zur kurzfristigen Finanzierung sein. Wenn klassische Finanzierungen nicht schnell genug oder nur unter ungünstigen Konditionen zur Verfügung stehen, bietet Marketplace Lending eine sinnvolle Alternative. Zum anderen können kleine Unternehmen über eine Mischung ihrer Finanzierungsinstrumente ihre Risikostruktur und ihre Zinsbelastung optimieren. Der zusätzliche Wettbewerb stärkt die Verhandlungsposition von kleinen Unternehmen, übrigens auch gegenüber ihrer Hausbank.

Lendico: Wie kann die Kreditvergabe für kleine und mittelständische Unternehmen standardisiert werden?
Prof. Friedl: Wichtig ist ein möglichst passgenaues aber dennoch einfaches Standardisierungsschema. Dabei sollten die Branchenzugehörigkeit, die Art des Investments, die Bonität des Kreditnehmers, die Höhe des Kapitalbedarfs und die Laufzeit der Finanzierung eine Rolle spielen.

Lendico: Welche Kriterien müssen Marketplace Lending-Plattformen erfüllen, um im Controlling auch von größeren Unternehmen akzeptiert zu werden?
Prof. Friedl: Letztlich ist jede Finanzierungsentscheidung eine Geschäftsentscheidung. Unternehmen werden sich auch bei Krediten für die Option mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis entscheiden. Bereits jetzt gibt es ja ein breites Bündel an Finanzierungsinstrumenten, aus dem Unternehmen das für sie Geeignetste auswählen. Wichtige Kriterien sind dabei neben den Konditionen auch Flexibilität, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit.

 

Prof. Dr. Gunther Friedl

Prof. Dr. Gunther Friedl ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität München, Inhaber des Lehrstuhls für Controlling, Dekan der TUM School of Management, Leiter des Ludwig-Fröhler-Instituts für Wirtschaft und Recht im deutschen Handwerk und Teil unseres Lendico Academic Boards.

 

Erfahrungsbericht eines Kreditnehmers aus dem Bereich Handwerk

„Die Zusage erfolgte schnell und unkompliziert. Danach war der Kredit in nur einer Woche finanziert und das Geld ausgezahlt“ so Gläser. Günter Gläser, ein Schwibbogenhersteller aus dem Erzgebirge nutzte unseren Firmenkredit für die Anschaffung einer neuen Maschine und die Sanierung des Firmengebäudes.

Weitere Erfahrungsberichte können Sie hier nachlesen.

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