„Es war für mich eine völlig neue Erfahrung, so einen Kredit anzufragen.“

Mirko Klopfleisch, Geschäftsführer Werner & Klopfleisch OHG


Mirko Klopfleisch ist Chief E-Commerce Officer und Mitgründer der Werner & Klopfleisch OHG. Zusammen mit Dierk Werner betreibt er seit 2015 den Onlineshop Gartentraum.de. Liebhaber finden hier über 20.000 Produkte ausgewählter Hersteller und Manufakturen – von Gartenbrunnen über Skulpturen bis hin zu Pavillons und Gartenhäusern. Anfang des Jahres musste das achtköpfige Team aus Jena Kurzarbeit anmelden. Mittlerweile hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.



Herr Klopfleisch, Sie sind seit Januar 2015 im Unternehmen. Wie hat alles anfangen und wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Gartendekoration entdeckt?

Angefangen hat alles durch das Kennenlernen meines Compagnons Dierk Werner. Bei einer Flasche Rotwein haben wir uns irgendwann zusammengefunden und festgestellt, dass sich unsere Ideen gut ergänzen. Das Thema Garten hat Dierk mit reingebracht. Er hatte in dem Bereich bereits Onlineseiten gebaut. Ich war damals noch angestellt und an modernen Onlinetechnologien dran. Mein Großvater hat lange Zeit als Tischler gearbeitet. Das hat mich dazu inspiriert, klassisches Handwerk mit modernem Vertrieb zu verbinden.


Sie bieten auf Gartentraum.de über 20.000 Produkte an. Wie viele davon haben Sie auf Lager?

Keine. Wir nutzen den Shop als Verkaufsfläche und beziehen die Produkte von Manufakturen und Lieferanten, die auf Anfrage auch Projekte umsetzen. Da wir nicht wissen, welche Produkte sich gut verkaufen, investieren wir lieber in Datensätze statt Lagerware. Wenn wir ein Lager aufbauen müssten, hätten wir viel mit Logistik und Lagerhaltung zu tun und ein großer Teil unseres Kapitals wäre im Lager gebunden. Unsere Stärke ist die digitale Verbindung zwischen Käufer und Manufaktur. Mit einem Netzwerk aus 250 Steinmetzen sowie Garten- und Landschaftsbauern organisieren wir ganze Gartenprojekte. Einzigartige Orte mit WOW-Effekt gestalten – das zählt für uns am Ende des Tages.


Welche Produkte sind besonders beliebt?

Pflanzgefäße aus Keramik und Steinguss laufen besonders gut, aber auch Sonnenuhren. In diesem Bereich haben wir sehr schöne Modelle im Angebot. Was auch oft von Kunden nachgefragt wird, sind schmiedeeiserne Gartenmöbel. Es ist immer spannend zu sehen, was im Markt funktioniert.


Und welches ist Ihr Lieblingsstück aus dem Sortiment?

Mir hat es die Giraffe „Butch“ angetan – eine vier Meter lange Kunstrasenfigur mit Motorrad. Ein echter Hingucker den man auch gern anfasst. Die edle Hercules-Büste ist auch einer meiner Favoriten. Sie stammt aus einer Manufaktur, die unter anderem auch für das englische Königshaus arbeitet.


Von Statuen griechischer Götter bis hin zu steinernen Feen –
auf Gartentraum.de bleiben keine Wünsche offen

Wo informieren Sie sich über aktuelle Trends in Sachen Gartendekoration?

Als E-Commerce-Unternehmen setzen wir auf Suchmaschinenmarketing. Wir versuchen, über Keyword-Recherchen herauszufinden, was gerade Trend ist. Gartenstecker sind zum Beispiel gerade stark im Kommen. Und natürlich entscheiden wir uns für Produkte, die uns selbst begeistern. Da ist uns ein Trend auch ein Stück weit egal. Unsere Zielgruppe ist vor allem der Endkunde, aber in letzter Zeit sprechen wir auch vermehrt mit Garten- und Landschaftsbauern sowie öffentlichen Auftraggebern, die beispielsweise Gärten und Parks gestalten wollen.


Sperrige Produkte wie Brunnen werden oft stationär im Fachhandel gekauft. Wie landen diese Kunden bei Ihnen?

Wenn sich Kunden rund um den Garten informieren, ist Google oft die erste Anlaufstelle, aber auch Pinterest oder Homify. Unsere Kunden stellen dabei immer wieder erstaunt fest: „Hey, dieses Produkt kann ich direkt online bestellen“. Es ist natürlich ein Nachteil, dass die Kunden unsere Produkte nicht direkt anfassen können. Dafür bieten wir aber ansprechende Fotos, Videos und Ratgeber-Beiträge. Auch ist unser Gartensortiment deutlich größer als bei anderen Anbietern.


Cocooning, also der Rückzug in das eigene Zuhause, liegt im Trend. Die Leute lassen sich dieses „Schöner Wohnen“-Gefühl mehr kosten als vor der Krise.  Können Sie das bestätigen?

Ja. E-Commerce hat durch die Corona-Situation und die neu entstandenen Vertriebswege einen deutlichen Sprung gemacht. Letztes Jahr ist der Umsatz um circa 10 Prozent gewachsen, dieses Jahr rechnen Experten mit einem Wachstum von 30 Prozent. Auftrags- und Bestellvolumen sind auch bei uns gestiegen, der Umsatz hat sich fast verdoppelt. Scheinbar haben wir in den vergangenen Monaten ein paar Dinge richtig gemacht und hatten deshalb glücklicherweise keine existenziellen Sorgen. Das hat uns ermöglicht, uns auf andere Sachen zu konzentrieren. Zum Beispiel, dass wir die Leute besser aufs Homeoffice verteilen.




Mussten Sie Kurzarbeit anmelden?

Ja. In den ersten Wochen als die Panik hochschwappte und man noch nicht genau wusste, was passiert. Da sind uns auch erstmal die Umsätze dramatisch eingebrochen. Aber als dann plötzlich alle zuhause waren, ist die Nachfrage auf einmal explodiert und wir kamen kaum noch hinterher.


Gehen Sie davon aus, dass der Online-Absatz weiter steigen wird?

Auf jeden Fall. Für Anwendungen mit Augmented Reality sehen wir viel Potential. IKEA hat schon lange eine Technologie, die es ermöglicht, Produkte wie Sessel oder Couchtisch in virtuellen Abbildungen in den eigenen vier Wänden zu platzieren. Das werden wir im Garten- und Außenbereich auch einführen. Ein Baumarkt kann zwar vor Ort beraten, aber die Mitarbeiter können nicht in den Garten des Kunden mitgehen. Über moderne Mobiletelefone oder Tablets ist das aber möglich.


Über Lendico haben Sie einen ING Firmenkredit von 150.000 € aufgenommen. Wofür verwenden Sie das Geld?

Unser Ziel ist es, unser Produktsortiment auf der Seite zu verdoppeln. Wir wollen unseren Kunden in zwei Jahren weitere 20.000 Produkte anbieten. Mit dem Kredit über Lendico planen wir, unser Personal aufzustocken und drei neue Mitarbeiter für die Datenpflege und -management einzustellen. Wir sind außerdem immer auf der Suche nach guten Leuten, die es schaffen, unsere Produkte aus dem Blickwinkel des Kunden zu betrachten.


Wie sind Sie auf Lendico aufmerksam geworden?

Über eine Postwurfsendung. Ehrlich gesagt, war ich anfangs skeptisch, habe aber dann online das Formular ausgefüllt. Dass es so schnell funktioniert hat, hat mich überrascht. Als ich vor einigen Wochen bei einem anderen Anbieter eine Kreditkarte beantragt habe, musste ich erstmal fünf Kilometer Papier ausdrucken und damit zur Postfiliale. Lendico hat zwar nach den Unterlagen gefragt, aber die Identifizierung über VideoIdent ging schnell und ich musste dafür nicht mal das Haus verlassen. Es war für mich eine völlig neue Erfahrung, so einen Kredit anzufragen.


Was hat Sie an Lendico überzeugt?

Banken finanzieren gerne Assets, also Häuser, Maschinen, Autos und so weiter. Dinge, die sie im Zweifel verpfänden können. Was sie nicht so gerne finanzieren, das sind „digitale Assets“ wie unseren Onlineshop oder unsere Datensätze. Bei Lendico war es wirklich das erste Mal, dass jemand gesagt hat: „Wir glauben an euer Geschäftsmodell. Macht mit dem Kredit was ihr wollt, solang es eurem Geschäft dient“. Das fanden wir super. Beim nächsten Mal würde ich vielleicht nur nach mehr Geld fragen (lacht).


Welche Pläne haben Sie für Ihr Unternehmen?

Unser Wunsch ist es, bald eine Million Produkte im Online-Sortiment zu haben. Das ist eine ziemliche Herausforderung und bringt uns manchmal auch an unsere Grenzen. Außerdem planen wir die Internationalisierung, um die Produkte in Europa oder sogar weltweit anbieten zu können. So langsam werden auch unsere Räumlichkeiten knapp. Wir können es deshalb kaum erwarten in unsere neuen Büroräume zu ziehen. Im Dezember ist es soweit. Dann können wir die Möglichkeiten, die wir durch Lendico jetzt haben, voll ausschöpfen.