„Es war zeitweise fast wie im Callcenter“

Christian Ruzicka, Geschäftsführer der Heller Pralinen GmbH & Co. KG


Christian Ruzicka, Geschäftsführer der Heller Pralinen GmbH & Co. KG in Oberursel bei Frankfurt, leitet die 1920 gegründete Chocolaterie seit mehr als 20 Jahren. Das Unternehmen stellt Pralinen und Gebäck für Privat- und Firmenkunden her und betreibt ein Café. Für Einbrüche hat die Corona-Krise durchaus gesorgt – aber auch für Erleichterung.


Wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen mit der derzeitigen Krise?

Unser Glück war: Da unser Unternehmen Lebensmittel herstellt, waren wir nicht von Schließungen betroffen. Das Café war natürlich zu, wir hatten und haben auch einige Einschränkungen. Aber viele Kunden holen sich nun ihre Torte oder den Kuchen für zuhause bei uns ab. Wir liefern seit Beginn der Krise jetzt auch aus. Unser Geschäft hat sich verlagert, und insgesamt kommen wir gut durch. Meinen Mitarbeitern und mir geht es damit also großartig.


Getroffen hat die Krise Sie aber schon, oder?

Ja. An einem Punkt sogar sehr direkt und auch schmerzlich: Wir wollten im Mai unser hundertjähriges Firmenjubiläum groß feiern. Das mussten wir verschieben. Nun feiern wir eben im nächsten Jahr: 100 Jahre plus eins. Darauf freuen wir uns auch schon. Ansonsten: Wir haben insgesamt 18 Mitarbeiter an unseren drei Standorten und nochmal rund 35 Mitarbeiter als Aushilfen. Unser Geschäft ist sehr saisonal und das Hauptgeschäft haben wir als Chocolaterie in der Weihnachtszeit.


Also gute Voraussetzungen – die Krise kam ja erst danach…

Ja und nein. Bei der Eröffnung des Cafés vor 20 Jahren ging es darum, das maue Sommergeschäft zu beleben. Das ist auch gut gelungen, es ist also ein nicht ganz unwichtiger Teil unseres Geschäfts. Denn im Bereich der hochwertigen Schokoladen und Pralinen sinken die Umsätze seit Jahren kontinuierlich. Im Cafébetrieb ist das Frühstück ein sehr wichtiger Bestandteil: Gerade die jungen Leute kommen bei uns frühstücken und verschenken Torten. Für zwei Mitarbeiter, die sonst das Frühstücksbuffet bestücken, gibt es derzeit also nichts zu tun. Akut trifft es aber leider vor allem unsere Aushilfen, also Schüler und Studenten. Aber unsere festen Mitarbeiter konnten und können wir halten.


Geschäftsführer Christian Ruzicka vor dem Café Heller bei Frankfurt

Sie sagten, das Geschäft habe sich verlagert…

Ja, wir liefern jetzt mehr. Wir haben einen Onlineshop und nehmen seit Beginn der Krise auch telefonisch Bestellungen entgegen. Mitarbeiter, die sonst im Café im Service tätig sind, setzen ihre Talente im Kontakt mit Kunden derzeit hier ein. Andere liefern für uns aus. Den Härtetest hatten wir zu Ostern. Und da hat sich gezeigt, dass unser Geschäft auch trotz Krise funktioniert.


Kurz vor den ersten Lockerungen, also in der heißen Phase, in der hierzulande noch quasi alles dicht war…

Genau. Und neben Weihnachten sind auch die Ostertage für uns ein sehr wichtiger Termin im Kalender. Normalerweise haben wir zu Ostern 1500 Kunden im Geschäft. 300 Kunden im Schnitt pro Tag. Aber unser Laden hat 50 Quadratmeter – das geht natürlich gar nicht mit den derzeit nötigen Abstandsregelungen, soviel war klar. Und darauf waren wir daher alle auch sehr gespannt. Aber wie gesagt: Wir hatten und haben Glück. Ganz viele Kunden haben sich über Ostern – wie auch generell in der Coronazeit – ihren Kuchen oder die Torte dann eben im Laden abgeholt oder liefern lassen, teils gleich für die Großeltern mit. Und wir hatten keine einzige Ansteckung – weder unter den Mitarbeitern noch über unseren Laden bei Kunden von uns. Darüber freuen wir uns sehr.


Weil der Kontakt sich verändert hat?

Sicherlich. Die Hotline war in der Zeit den ganzen Tag dauerbesetzt. Es war zeitweise fast wie im Callcenter, und sie ist auch immer noch sehr gut frequentiert. Zwei bis drei Wochen lang hatten wir täglich 80 Telefonate.


Wie sieht das im Unternehmen aus? Haben Sie Risikopatienten unter den Mitarbeitern?

Vier bis fünf unserer Mitarbeiter sind Risikopatienten. Die arbeiten auf ihren Wunsch hin seit Beginn der Krise jeweils allein in einem Raum und auch zeitlich so, dass es sich nicht oder wenig mit anderen Mitarbeitern überschneidet. Wir arbeiten zeitversetzt. Das minimiert die Ansteckungsgefahr und klappt ganz gut.


Nochmal zum Geschäft: Wie läuft es mit Ihren Firmenkunden?

Für uns laufen 90 Prozent vom Firmenkundengeschäft in der Weihnachtszeit und nur zehn Prozent zu Ostern. Aber auch dieser Absatz ist uns nicht weggebrochen, da hatten wir also auch Glück.





Wie sieht es finanziell aus?

Auch bei uns gab es in der ersten Zeit einen Umsatzeinbruch. Wir hatten zeitweise nur 20 Prozent vom sonst üblichen Umsatz. Aber seit den Öffnungen sind wir wieder bei 80 Prozent vom vorherigen Niveau.


Haben Sie Soforthilfen oder einen KfW-Kredit beantragt?

Ja. Wir haben die Soforthilfen für Unternehmen mit bis zu 25 Mitarbeitern in Anspruch genommen und auch Kurzarbeit angemeldet. Die konnten wir bereits wieder lockern und durch die Verlagerungen auch schnell wieder unsere Tätigkeit ausweiten.


Über Lendico haben Sie Anfang des Jahres einen Firmenkredit in Anspruch genommen. 50.000 Euro über fünf Jahre. Waren die geplanten Projekte erfolgreich?

Ja und nein. Einerseits haben wir mit dem Kredit ja Anschaffungen für unser 100-jähriges Firmenjubiläum und die Feierlichkeiten finanziert – und die haben wir ja dann verschoben. Aber die neue Kühlanlage und auch die Geräte – wie eine neue Spülmaschine und eine Telefonanlage – haben wir wie geplant und bestellt angeschafft und nutzen sie natürlich auch schon. Und das ist sehr hilfreich. Die Feier holen wir auch auf jeden Fall nach.


Sie waren also zufrieden…?

Ja, wir sind sehr zufrieden. Das hat gut funktioniert – schnell und unkompliziert. Die Konditionen waren mit drei Prozent über fünf Jahre Laufzeit sehr gut. Noch ist da nichts konkret, aber wir würden unser nächstes Projekt schon sehr gern wieder über Lendico finanzieren


Wie sind Sie auf Lendico aufmerksam geworden?

Wir haben von Lendico ein Werbe-Schreiben bekommen. Das klang sehr interessant und ich habe mir das Angebot dann angeschaut, da wir auch Bedarf hatten und sich die Konditionen sehr gut angehört haben. 


Sie haben ja sicher auch eine Hausbank. Welchen Vorteil sehen Sie bei der Finanzierung über Lendico gegenüber dem klassischen Bankkredit?

Das sind zum einen die Konditionen und vor allem, dass alles sehr unkompliziert und auch schnell geht. Ansonsten ist mir auch nach wie vor an einer Hausbankbeziehung gelegen. Vertrauen und Sympathie sind mir sehr wichtig – persönlich oder am Telefon. Das bietet mir für den Kredit aber auch Lendico.


Abschließend noch: Sie sagten eingangs, es gehe Ihnen mit der Krise sogar großartig. Was daran ist denn für Sie großartig?

Die Krise hat für uns auch ganz viel Gutes – vor allem privat. Wir kommen ja insgesamt gut durch – auch und gerade dank der Flexibilität meiner Mitarbeiter. Und wir genießen dank der Restriktionen auch sogar einige Vorteile. Unser Betrieb läuft normalerweise an sieben Tagen die Woche. Das ist durchaus eine Belastung. Hier in der Krise nun auch mal eine persönliche Auszeit nehmen zu können, das war für uns und auch unsere Mitarbeiter gut. Wir haben dadurch sehr viele sehr wertvolle Erfahrungen gerade im persönlichen Bereich machen können. Da war für uns vieles auch tatsächlich großartig.