Fachkräftemangel – so machen Sie Ihr Unternehmen fit für den Arbeitsmarkt

Eine Frau misst ein Stück Holz aus


Im dritten Teil unserer fünfteiligen Blogserie „Unternehmen im Wandel: Geschäftsmodelle und Investitionen für die neue Zukunft“ widmen wir uns dem Schwerpunktthema Fachkräftemangel.

Die anderen vier Teile finden Sie hier:

– Teil 1: Digitalisierung neu denken – mit Strategie zum Erfolg

– Teil 2: Klimaschutz – eine Investition für den Planeten und für Ihr Unternehmen

– Teil 4: Lieferketten – wie sich Unternehmen vor Materialmangel schützen

– Teil 5: Innovationen – wer Neues wagt, gewinnt


Fachkräfte sichern Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Angesichts des demografischen Wandels ist der Fachkräftebedarf eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Dabei macht der Fachkräftemangel nicht nur großen Unternehmen zu schaffen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben es neben der großen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt schwer, ihre Arbeitgebermarke zu kommunizieren und Bewerber*innen auf sich aufmerksam zu machen. 

Laut dem Statistischen Bundesamt waren im Juni 2021 rund 44,7 Millionen Personen in Deutschland erwerbstätig. Seit vergangenem Jahr gehen jedoch jährlich etwa eine Million Menschen in den Ruhestand – die sogenannte Babyboomer-Generation. Dazu gehört jede(r) Vierte. Die Folge: Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sinkt. Das ist jedoch nur ein Aspekt des Fachkräftemangels.

An vielen Stellen gibt es deutliche Qualifikationslücken, vor allem im Bereich der Digitalisierung. Die voranschreitende Technologie erfordert Fachwissen und einen Skill Shift, also eine Verschiebung der benötigten Fähigkeiten. Wirtschaft und Politik müssen aktiv gegensteuern, um mit einer starken Fachkräftebasis die zukünftigen Anforderungen zu stemmen. Und Unternehmen in der Ausbildung und Weiterentwicklung von Mitarbeitern ebenfalls ihren Beitrag leisten.


In diesen Branchen sind Fachkräfte besonders gefragt

Der deutsche Arbeitsmarkt boomt. Unternehmen suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter. Die Zahl der geschalteten Stellenanzeigen auf der Jobplattform Stepstone liegt mittlerweile um mehr als 20 Prozentpunkte höher als noch vor der Corona-Pandemie. Auch das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das einen Ausblick auf die nächsten drei Monate gibt, bestätigt den Aufwärtstrend. Unternehmen suchen neue Mitarbeiter*innen, um sich für den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise zu rüsten – und wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Besonders gefragt sind Fachkräfte aus IT, Logistik sowie Ingenieure. Dazu zählen auch Softwareentwickler*innen, Projektmanager*innen, Elektro- oder Servicetechniker*innen sowie Technikexpert*innen. Etwa zehn Prozent aller ausgeschriebenen Stellen auf Stepstone entfallen zudem auf den Bereich Vertrieb und Verkauf. Finanzexpert*innen für Buchhaltung und Controlling werden ebenfalls häufig gesucht. Die Corona-Pandemie hat außerdem die Relevanz einiger Branchen noch einmal hervorgehoben. Dazu zählt vor allem das Gesundheitswesen, in dem es bereits seit Jahren Engpässe gibt. 

Laut StepStone Corona Report 2020 ging schon vor einem Jahr jedes dritte Unternehmen von einem erhöhten Personalbedarf nach der Krise aus. Zwei Drittel der Unternehmen planten deshalb in die Mitarbeitermotivation und -bindung zu investieren. Etwa die Hälfte der Arbeitgeber wollte trotz Krise die Löhne im eigenen Unternehmen erhöhen, um für potenzielle Neuzugänge attraktiv zu bleiben. Der „War For Talents“ hat begonnen. Für Unternehmen kommt es vor allem auf eines an: die richtigen Mitarbeiter*innen.


So gewinnen Sie Fachkräfte

Unternehmen sollten sich genau überlegen, welche Kompetenzen gebraucht werden, welche Zielgruppen sie erreichen wollen und was diese Zielgruppen suchen. Auf dieser Basis entwickeln Sie dann die Rekrutierungsmaßnahmen, um die interessanten Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen. Diese Möglichkeiten haben Sie:

  • Employer Branding: Investieren Sie in den Aufbau einer eigenen Arbeitgebermarke. Sie erreichen damit eine größere Zahl von Bewerber*innen und eine höhere Passgenauigkeit der Bewerbungen. Gleichzeitig verbessern Sie Ihr Unternehmensimage. Was es dafür braucht, ist eine interne Unternehmensanalyse. Was macht Ihr Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber und welche Unternehmenskultur wird gelebt? Aus diesen Überlegungen entwickeln Sie dann Ihre Arbeitgebermarke.
  • Talent-Relationship-Management: Beim sogenannten Talent-Relationship-Management geht es darum, potenzielle Kandidat*innen in einem Talent-Pool zu erfassen und sie mit Newslettern, Einladungen zu Veranstaltungen, Infos zu Weiterbildungsmöglichkeiten oder Neuigkeiten aus dem Unternehmen langfristig an das Unternehmen zu binden. 
  • Active Sourcing: Ein weiteres Rekrutierungsverfahren ist das Active Sourcing. Darunter versteht man die Direktansprache von potenziellen Bewerber*innen – online als auch offline. Für die Online-Ansprache bieten sich Karrierenetzwerke wie LinkedIn oder XING an. Offline sind Schulen, Berufsakademien, Hochschulen oder Messen eine gute Anlaufstelle. In diesen können Sie Broschüren auslegen, Praktika anbieten oder Interessent*innen auf Messen gezielt ansprechen. 
  • Guerilla Recruiting: Mit kreativen Personalmarketingstrategien gewinnen Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppe. Wichtig: Die Aktionen sollten ungewöhnlich, überraschend oder auch provokant sein. Vor allem für kleine Unternehmen mit wenig Budget bietet das Guerilla Recruiting eine gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen. 

Ein ganz anderer Weg ist, Fachkräfte selbst auszubilden. Dies ist der beste Schutz vor Fachkräftemangel und eine Investition in die Zukunft. Die lohnt sich, denn Unternehmen gewinnen so langfristig eine loyale Fachkraft, die gut ins Team passt und genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens hin ausgebildet ist. 

Laut dem Berufsbildungsbericht 2021 standen 2020 Ende September 59.900 unbesetzte Ausbildungsstellen 29.300 unversorgten Bewerber*innen gegenüber. Es werden also nicht alle Stellen besetzt. Aber auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen wird nicht komplett befriedigt.


Bewerber*innen überzeugen, Mitarbeiter*innen halten

Sie haben Interessenten gewonnen, haben erste Gespräche und wollen nun nachhaltig überzeugen? Für diesen Fall haben wir eine Liste mit Maßnahmen für Sie zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen, Mitarbeiter*innen an Ihr Unternehmen zu binden und neue qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. 

  • Flexible Arbeitszeiten und -modelle: Arbeitnehmer*innen suchen nach einer guten Work-Life-Balance. Bieten Sie Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Sabbaticals an und ermöglichen Sie Arbeiten von zu Hause oder von einem anderen Ort. Auch Jobsharing, bei dem sich zwei Personen dieselbe Stelle teilen, ist für viele ein attraktives Modell. So werden auch Familie und Beruf vereinbar.
  • Weiterbildungsmöglichkeiten: Fort- und Weiterbildungen sind ein wichtiger Faktor, um die Motivation zu erhöhen. Davon profitieren auch Sie, denn durch Weiterbildungen bleibt Ihr Unternehmen wettbewerbsfähig und ein attraktiver Arbeitgeber. 
  • Karriere- und Aufstiegschancen: Mitarbeiter*innen mit konkreten Aufstiegschancen bleiben länger im Unternehmen. Mit der Aussicht auf Karriere steigern Sie zudem die Produktivität und ziehen schon beim Bewerbungsprozess qualifizierte und ambitionierte Kandidat*innen an.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung, Fitness sowie mentale Gesundheit gewinnen immer mehr an Bedeutung. Unterstützen Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter*innen, indem Sie zum Beispiel Yogastunden oder Mitgliedschaften in Fitnessstudios anbieten. Auch Stressbewältigung, Massagen und Achtsamkeitskurse eignen sich. 
  • Innovative und moderne Arbeitsweisen: Besonders jüngere Generationen, die mit moderner Technik aufgewachsen sind, sehen digitale Prozesse als selbstverständlich an. Unternehmen, die junge Talente ansprechen und für sich gewinnen wollen, müssen beim digitalen Fortschritt mithalten können. Komplizierte Abläufe dagegen schrecken ab.
  • Attraktiver digitaler Auftritt: Zeigen Sie über Ihre Social-Media-Kanäle und Ihre Karriereseite, wie die Arbeit in Ihrem Unternehmen aussieht und welche Unternehmenskultur gelebt wird. Eine visuell ansprechende Webseite spricht für ein modernes und dynamisches Unternehmen. 

Wer sonst noch bei der Sicherung von Fachkräften unterstützt

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) ist ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Es unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren. Zum Beispiel indem es Unternehmen dabei hilft, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und konkrete Handlungsempfehlungen liefert, um die eigene Personalarbeit strategisch auszurichten. Das KOFA bietet zudem Analysen zur aktuellen Fachkräftesituation, Checklisten, Best-Practice-Beispiele, Vorträge sowie Webinare. 

Auf dieser interaktiven Karte können Sie außerdem sehen, welche Regionen und Berufsgruppen besonders von Engpässen betroffen sind.


Reagieren Sie frühzeitig

Für viele KMU liegt die große Herausforderung beim Thema Fachkräftesicherung darin, dass sie im Wettbewerb um Fachkräfte nicht die gleiche personelle und finanzielle Ausstattung wie Großunternehmen haben. Je frühzeitiger sich KMU diesem Thema widmen, desto besser können sie sich im Wettbewerb um die besten Köpfe positionieren – und nachhaltig auf den Strukturwandel reagieren.