Frauen im Finanzwesen: Interview mit Farnoosh Torabi

„Männer wollten Frauen schon immer vom Geschäftsleben abhalten, damit sie nicht herausfinden, wie viel Spaß es macht“, meinte Vivien Kellems, renommierte Geschäftsfrau und Feministin im letzten Jahrhundert. Und leider scheint sie damit immer noch Recht zu haben. Denn obwohl Frauen ganze 54% der Arbeitnehmer in der Finanzindustrie ausmachen, sind leitende Positionen nur zu 23% mit Frauen besetzt.

Dieser Status quo soll sich nun bis 2020 ändern. Zumindest wenn es nach einigen größeren Banken, wie zum Beispiel der Lloyds Banking Group, geht, die bis dahin einen 40% Frauenanteil in leitenden Positionen vorweisen wollen. Aber welche Frauen haben es bereits jetzt in die Chefetage geschafft? Wer sind die finanziellen Carrie Bradshaw’s der Großstädte und was ist ihr Geheimnis? Genau darum geht es in unserer neuen Serie: Frauen im Finanzwesen.

Ab jetzt interviewen wir regelmäßig Frauen, die erfolgreich in der Finanzindustrie arbeiten. Wir wollen herausfinden, was man haben muss, um es in der harten Finanzwelt bis ganz nach oben zu schaffen und sind natürlich besonders gespannt auf die Insider-Geheimnisse von den Leading Ladys. Denn, wie IMF Direktorin Christine Lagarde schon sagte: „Wären die Lehman Brothers Lehman Sisters gewesen, sähe die heutige Wirtschaft klar anders aus.“

Für die erste Ausgabe unserer neuen Serie haben wir mit der Finanzstrategin, Moderatorin und Bestseller-Autorin Farnoosh Torabi gesprochen. Torabi hat unter anderem den Ratgeber ‚When She Makes More‘ geschrieben und ist häufiger Gast in Talkshows wie dem CBS MoneyWatch und der Today Show. Ihre Thesen zum Thema persönliches Finanzmanagement haben es außerdem bereits in das Wall Street Journal und die New York Post geschafft.

Sie sind Autorin, Finanzexpertin, Unternehmerin, Fernsehmoderatorin und Mutter. Wie schafft man das alles gleichzeitig?

Ich glaube fest daran, dass man alles haben kann, aber nicht alles machen kann … besonders nicht gleichzeitig. Seitdem ich Mutter geworden bin, bin ich definitiv effizienter geworden. Man will die Stunden, die man während des Tages mit dem Kind hat, ja immer maximieren und so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen. Ich habe das Glück, dass viele meiner Projekte miteinander verschmelzen und ich deswegen besser multitasken kann. Meine Fernsehbeiträge und Präsentationen basieren oft auf meinen Büchern. Ich outsource vieles und priorisiere meine Agenda nach „Must do“ Aufgaben, die Einkommen bringen. „Nice to do“ Dinge reserviere ich für den Abend. Ich arbeite außerdem von zu Hause aus und dadurch kann ich Pausen mit meinem Sohn verbringen.

Sie haben bereits einige Bücher geschrieben, wie zum Beispiel: When She Makes More: 10 Rules for Breadwinning women, You’re So Money: Live Rich Even When You’re Not, und Psych Yourself Rich. Was hat Sie dazu inspiriert? Hatten Sie schon immer ein Händchen für Geld?

Es war nie mein Plan Buchautorin zu werden, aber mit Anfang Zwanzig habe ich mit einigen tollen Mentoren im Nachrichtengeschäft gearbeitet, die mich schlussendlich dazu inspiriert haben. Ja, ich denke ich hatte schon immer so etwas wie ein Händchen für Geld. Natürlich habe auch ich mir einige Anfängerfehler (mit Kreditkarten) geleistet, aber ich war immer sehr interessiert an dem Thema und wollte mein Geld sinnvoll verwalten.

Wie wurden Ihre Bücher von der Leserschaft angenommen?

Von der Zielgruppe jeder meiner Bücher habe ich reichlich gutes Feedback erhalten. Obwohl persönliches Finanzmanagement vielleicht nicht so kurzweilig wie andere Genres sind, gefällt es meinen Lesern doch, wie ich komplexe Informationen verständlich darlege und das Ganze mit persönlichen Geschichten ausschmücke. Die Medien waren auch sehr aufgeschlossen für meine Ideen. Nachdem mein erstes Buch You’re So Money erschienen ist, wurde ich in die The Today Show eingeladen. Dank dieses einen Auftritts habe ich dann in den letzten Jahren immer mehr Rundfunk- und Fernsehaufträge bekommen.

In Ihren Büchern geht es oft darum, der Haupternährer der Familie zu sein. Gleichzeitig ist der Frauenanteil in führenden Positionen besonders in der Finanzindustrie weiterhin sehr gering. Woher kommt das Ihrer Meinung nach? Ist der Umschwung in Sicht? Was muss hierfür getan werden?

Ich denke nicht, dass sich viel daran ändern wird, solange Institutionen ihren Mitarbeitern nicht mehr Flexibilität bieten, damit sie mehr Zeit zu Hause verbringen können. Das Leben eines Bankmanagers beinhält viele Reisen, lange Arbeitszeiten und wenig Urlaub. Für Frauen, die eine Familie haben möchten – und außerdem Zeit mit ihr verbringen wollen – sind das wahrlich keine Idealkonditionen. Für Frauen – und Männer -, die sich überhaupt eine Work-Life-Balance wünschen, sind diese Aussichten natürlich nicht sehr motivierend.

In 2003 haben Sie als Reporterin beim Money Magazin angefangen. Was hat Sie anfänglich so interessiert am Finanzsektor? Welche früheren Erfahrungen hatten Sie?

Ich habe Finanzwesen im College und später Journalismus an der weiterführenden Uni studiert und war deswegen gut vorbereitet auf eine Kariere im Finanzjournalismus. Meine Eltern haben außerdem immer sehr offen über Geld geredet. Das denke ich gab mir auch das Selbstbewusstsein, diesen Weg einzuschlagen. Es macht mir Spaß, Leute bei so einem wichtigen Thema zu helfen.

Ihr bester Ratschlag für Frauen, die in die Finanzindustrie einsteigen möchten?

Denken Sie daran, dass alle Industrien intelligente und talentierte Finanzexperten brauchen – nicht nur Banken. Sie haben eine Vielfalt von Möglichkeiten, wo und wie Sie Ihre Fähigkeiten anwenden können. Und falls keine dieser Optionen wirklich zu Ihnen passt: Werden Sie Ihr eigener Boss. Eine gute Basis im Finanzwesen ist ein riesiger Pluspunkt für alle Gründer. Für Frauen, die mehr Kontrolle über Ihre Zeit und Work-Life-Balance haben möchten, ist das eigene Business oft der beste Weg.

Um mehr über Farnoosh zu erfahren, können Sie ihre Website besuchen: http://farnoosh.tv oder Sie auf Twitter folgen @Farnoosh.

Lesen Sie hier das Interview mit Farnoosh Torabi im englischen Original.

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