Eine kurze Geschichte des Kreditwesens

Peer-to-Peer Kredit: zuerst einmal klingt das sehr modern und neumodisch. Doch schaut man ein wenig in die Geschichtsbücher, so stellt man schnell fest, dass das Modell der P2P-Kredite und das Kreditwesen im Allgemeinen wahrlich keine neuen Erfindungen sind.

Kredite im alten Griechenland

Bereits im alten Griechenland nahmen Schiffshändler Handels- und Exportkredite für ihre Schiffsladungen auf. Der Wert einer Schiffsladung war oft so hoch, dass der Handelsfahrer die Ware von einem Verkäufer oder Aristokraten vorfinanzieren lassen musste. Der Händler machte sich dann auf den Weg, um die Ware zu verkaufen und nach erfolgreichem Abschluss, zurückzukehren und den Kredit mit Zinsen abzubezahlen. Die Griechen gehörten auch mit zu den Ersten, die ein Geldsystem manifestierten. Dies war jedoch nicht einheitlich für ganz Griechenland, sondern meist individuell von Stadt zu Stadt.

Das Kreditwesen im Mittelalter

Einen Entwicklungsschub erlebte das Kreditwesen dann im Mittelalter. Während im frühen Mittelalter hauptsächlich Warenkredite, wie z.B. Saatgut vom Lehnsherrn für den Bauern üblich waren, wurden ab 1250 die ersten Großbanken gegründet. Sie waren spezialisiert auf Kapitalmittelbeschaffung für die Fürsten. Das geliehene Geld wurde dabei oft für Kriege verwendet und mit Zinsen aus Raub- und Beutezügen bezahlt. Im Gegenzug erhielten sie Zugriff auf die Handelsmonopole der Fürsten. Dadurch gelang es z.B. der Perruzzi Bank bis 1325 das Königreich Neapel zu „privatisieren“, sprich Kontrolle über Armee, Steuern, Zölle, Beamte und Getreideproduktion zu gewinnen. Im Laufe der Zeit rutschte die Perruzzi Bank in den Bankrott, doch neue Aufsteiger wie die Medici Bank übernahmen bald das Feld.

Baukredite in der Renaissance

Durch den Ausbau des Finanzsystems erlebte das Italien der Renaissance eine nie vorher da gewesene Blüte. Familien wie die Medici waren bekannt für ihr Mäzenatentum und förderten große architektonische und künstlerische Projekte wie die Basilica de San Lorenzo in Florenz, finanziert von Giovanni de Medici und entworfen vom berühmten Architekten Brunelleschi.

Friendly Societies und Rotationsfonds: Die Anfänge des Social Lendings

Im Laufe der Zeit entwickelten sich immer spezialisiertere Formen des Kredits. Der Kredit unter Ebenbürtigen, das Verleihen von Waren oder Kapital an Bekannte, war dabei wahrscheinlich immer noch die verbreiteste Art von Kredit. Unter Betonung des sozialen Aspekts wurden im England des 17. Jahrhunderts sogenannte „Friendly Societies“ gegründet. Dies waren Gruppen von Bürgern, die sich im Bedarfsfalle gegenseitig Geld liehen. Der soziale Faktor stand dabei im Vordergrund, die „Friendly Societies“ waren also eher Hilfsgemeinschaften als Unternehmen. Ähnlich war es mit dem Prinzip der Rotationsfonds oder auch Spargruppen, die im späten 15. Jahrhundert entstanden. Jedes Mitglied der Spargruppe zahlte regelmäßig einen kleinen Betrag ein. Sollte jemand aus der Gruppe dann einmal kreditbedürftig sein, konnte diese Person einen höheren Betrag aus dem Rotationsfonds leihen. Ableitend von dem Prinzip der Rotationsfonds, wurden im 19. Jahrhundert von Franz Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen die ersten Genossenschaftsbanken gegründet, zu denen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken gehören.

Wie man sieht, ist das Kreditwesen keineswegs eine Erschaffung der Neuzeit. Vor allem der Peer-to-Peer Kredit gehört zu den ursprünglichsten Formen des Kredits und erlebt mit Hilfe von Kreditmarktplätzen wie Lendico ein Revival.

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