„Wir denken weit über die Krise hinaus – dafür ist jetzt eine gute Gelegenheit.“

Jan Gosau, Geschäftsführer von Bronzen-Gunkel

Jan Gosau, Geschäftsführer der Bronzen-Gunkel GmbH, leitet das 1920 gegründete ehemalige Familienunternehmen bereits seit mehr als 10 Jahren. Die 15 Mitarbeiter stellen Buchstaben und kleinere Gedenktafeln aus Messing, Bronze, Aluminium oder Blei her. Die Corona-Krise nutzt Herr Gosau für die mittel- bis langfristige unternehmerische Planung.


Wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen mit der derzeitigen Krise?

Uns geht es nicht schlecht. Was Corona betrifft, sind auch wir von den Effekten betroffen. Wir haben im Kerngeschäft Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Auf der anderen Seite haben wir mehrere ältere Mitarbeiter, die zu den Risikogruppen gehören. Die sind als „Risikopatienten“ derzeit krankgeschrieben oder bauen Überstunden ab, um sich zu schützen. Insgesamt nivelliert sich beides ein wenig – dadurch mussten wir trotz vorübergehender Einbrüche keine Kurzarbeit beantragen.


Haben Sie Soforthilfen oder einen KfW-Kredit beantragt?

Auch Soforthilfen haben wir nicht in Anspruch genommen. Das hatte auch damit zu tun, dass sich Zuschüsse hier an Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern richteten. Wir haben aber insgesamt 15 Mitarbeiter, zwei Mitarbeiter arbeiten in Büro und Versand, zwei beim Formen und Gießen – der Rest ist in der Werkstatt beschäftigt. Von unseren 15 Leuten sind sechs Teilzeitkräfte. Für die Gießerei habe ich über einen Kredit nachgedacht – und einen Antrag bisher verworfen. Das kann sich aber noch ändern.


Die Gießerei bildet ja einen Hauptteil Ihres Geschäfts…

Ja, das Geschäft mit Buchstaben für Grabsteine macht schon den Großteil aus. Und hier hat es auch eine starke Nachfragedelle gegeben – also im für uns wesentlichen Geschäft. Wir haben da deutliche Einbrüche zu verzeichnen. Aber diese sind nur vorübergehend. Unsere Hauptabnehmergruppe sind ja Steinmetze, die von uns Metallbeschriftungen für Grabsteine bekommen. Als nun die strengen Kontaktbeschränkungen kamen, hatten die Steinmetze offensichtlich weniger Kundenkontakte und die Bestellungen gingen natürlich zurück.


40 verschiedene Schrifttypen stehen den Kunden zur Auswahl

Die Grabsteine werden dann aber wahrscheinlich nachträglich schon noch beschriftet – dann eben später?

Ja, genau. Wir hatten Bestellrückgänge, aber diese Bestellungen werden dann in dem Bereich auch sicher nachgeholt. Wir erwarten also keine dramatischen Änderungen aufgrund der Corona-Krise. Das ist mittelfristig allerdings etwas anders. Da erwarten wir mit der Zeit schon Veränderungen durch gesellschaftliche Entwicklungen: Es gibt beispielsweise immer mehr anonyme Bestattungen ohne Beschriftung. Das wird sich dann auch nachhaltig auf unsere Hauptumsatzquelle auswirken.


Sie denken also weiter, als bis nach der Krise…?

Ja. Wir nutzen die Krise derzeit ganz bewusst, um unser Unternehmen für die nächsten fünf bis zehn Jahre sattelfest zu machen – wir denken da also eher mittel- bis langfristig. Hierfür sehen wir in der Krise auch eine große Chance. Finanzierungen sind günstig. Die Mitarbeiter sind derzeit bereit und offen für Flexibilität, wie sonst vielleicht nie. Auch durch die eigene persönliche Betroffenheit etwa als Risikogruppe. Manche denken darüber nach, vielleicht das Arbeitsmodell zu ändern oder früher in Rente zu gehen. Alles ist in Bewegung. Das ist ein günstiger Zeitpunkt für strategische Überlegungen.


In welche Richtung gehen diese Überlegungen?

Wir denken über Umstrukturierungen nach. Also zum einen über neue Bereiche: Unser neuer Bereich „Beleuchtung“ mit derzeit zwei Mitarbeitern ist künftig sicher von wachsender Bedeutung. Und wir denken auch über die Erweiterung anderer bestehender Bereiche nach, zum Beispiel der Lohnpatinierung von Messing-Oberflächen. Hier sind wir für Möbelhersteller tätig, veredeln Briefkasten- und Klingelanlagen und so weiter. Das würden wir künftig gern ausbauen und damit wegbrechendes Grabbeschriftungsgeschäft ausgleichen. Gleichzeitig kommen Überlegungen zur Arbeitsorganisation hinzu: was lässt sich eventuell im Homeoffice erledigen; können wir durch zeitlich versetztes Arbeiten nicht nur die Werkstattbelegung reduzieren, sondern auch Prozesse besser abarbeiten, weil wir uns nicht gegenseitig stören und so weiter.



Sie sprachen das Thema Finanzierung an…

Ja, durch die Umstrukturierungen könnte hierfür wieder ein Bedarf entstehen. Wenn wir Flächen umgestalten wollen, dann müssten wir Einrichtung aus- und umbauen und dann natürlich auch investieren.


Sie haben ja vorherige Umstrukturierungen unter anderem mit zwei Krediten von Lendico finanziert. Waren die geplanten Projekte erfolgreich?

Ja. Mit dem ersten Kredit über Lendico in Höhe von 100.000 Euro haben wir eine Betriebserweiterung finanziert. Das lief gut. Danach gab es dann einen Eigentümerwechsel bei angemieteten Gewerbeflächen, der neue und für uns viel ungünstigere Bedingungen im Gewerbemietvertrag mit sich gebracht hätte, so dass wir zum Jahreswechsel 2019/2020 mit einem Betriebsteil umgezogen sind. Hierfür haben wir einen zweiten Kredit in Höhe von 50.000 Euro über Lendico aufgenommen – wie zuvor über 60 Monate und zu drei Prozent Zinsen. Beides hat sehr schön funktioniert und wir haben die geplanten Ziele auch beide Male erreicht.


Gibt es aus Ihrer Sicht etwas, das wir grundsätzlich alle aus der derzeitigen Krise lernen können?

Dass in der Krise eine Chance liegt, gilt glaube ich generell. Oft arbeitet man so vor sich hin und denkt, es läuft. Und die Krise bringt dann erst an den Tag, dass vielleicht doch etwas nicht so gut läuft. Positiv gewendet würde ich daher immer raten, spätestens in der Krise zu gucken: Welche Möglichkeiten habe ich gerade noch? Ist das, was ich tu, noch das Richtige? Kann man etwas anders machen? Und am allerbesten ist es sicher, damit gar nicht erst bis zur nächsten Krise zu warten, sondern sich das auch so öfter mal zwischendurch zu fragen. Dann steht man auch in der Krise besser da.