Innovationen – wer Neues wagt, gewinnt

Ein Mann mit Kopfhörern, fotografiert von hinten, steht vor einem gelben Bild


Im letzten Teil unserer fünfteiligen Blogserie „Unternehmen im Wandel: Geschäftsmodelle und Investitionen für die neue Zukunft“ widmen wir uns dem Schwerpunktthema Innovation. Die ersten vier Teile finden Sie hier:

– Teil 1: Digitalisierung neu denken – mit Strategie zum Erfolg

– Teil 2: Klimaschutz – eine Investition für den Planeten und für Ihr Unternehmen

– Teil 3: Fachkräftemangel – so machen Sie Ihr Unternehmen fit für den Arbeitsmarkt

– Teil 4: Lieferketten – wie sich Unternehmen vor Materialmangel schützen


Innovationen halten Unternehmen wettbewerbsfähig. Sie verbessern das eigene Geschäftsmodell und erschließen gegebenenfalls neue Märkte. Durch Innovationen werden Unternehmen auch krisenfester. Das hat die diesjährige Studie der Boston Consulting Group zu den innovativsten Firmen gezeigt. 

Demnach entwickelten sich die 50 globalen Unternehmen, die 2020 im Ranking der innovativsten Unternehmen ganz oben standen, während der Corona-Krise überdurchschnittlich gut. Die Börsenwerte der 50 Innovationsgewinner sind innerhalb eines Jahres um 17 Prozentpunkte stärker angewachsen als der Gesamtmarkt. Eine ähnliche Entwicklung war schon während der Finanzkrise 2007/2008 zu beobachten.


Innovationen in deutschen Unternehmen nehmen ab

Im deutschen Mittelstand jedoch hat die Innovationstätigkeit stark nachgelassen. Während laut KfW-Analyse im Zeitraum 2004–2006 noch 43 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen Produkt- und Prozessinnovationen vorangetrieben haben, waren es im Zeitraum 2017–2019 nur noch 22 Prozent.

Zu Beginn der Corona-Krise hat es zwar einen Innovationsschub gegeben. Eine Befragung der KfW im Juni 2020 hatte ergeben, dass 43 Prozent der KMU Innovationen aufgrund der Corona-Krise entweder planten oder schon umgesetzt hatten. Durch die Pandemie wurde es vielfach nötig, Prozesse umzustellen und Geschäftsmodelle zu erweitern – und die deutschen Firmen reagierten entsprechend flexibel.

Die Innovationstätigkeit ließ aber rasch wieder nach. Schon im Herbst 2020 gab jedes vierte Unternehmen an, seine Innovationsaktivitäten einzustellen oder zu verringern, während nur 10 Prozent mehr Innovationen einplanten. Bis Mai 2021 änderte sich dann nur wenig an diesem Verhältnis.

Der Hauptgrund für den Rückgang der Innovationstätigkeiten im Laufe der Corona-Krise ist der KfW-Analyse zufolge die durch Umsatzrückgänge bedingte fehlende Liquidität. 51 Prozent der Unternehmen, deren Reserven nur noch zwei Monate reichten, meldeten eine Einstellung oder Verringerung der Innovationsaktivität. Bei den Unternehmen mit Reserven für mehr als ein Jahr hingegen waren es lediglich 17 Prozent. Innovationen sind also, wenn man nach dieser Statistik geht, eine Frage der Finanzierung.


Was sind Innovationen?

Arbeiten Unternehmen nicht mehr an Innovationen, werden sie schnell von der Konkurrenz bei Kosteneffizienz und Produktqualität überholt. Es ist ein Tätigkeitsfeld mit großer Bedeutung für den langfristigen Unternehmenserfolg. Dabei sind nicht allein neue Produkte und Geschäftsmodelle als Innovationen zu begreifen. Denn auch Optimierungen der Prozesse und Strukturen können innovativ sein und das Geschäft fördern. Die OECD hat in ihre Definition von Innovation vier Bereiche aufgenommen:

  • Produktinnovation: Die wesentliche Verbesserung eines Produkts oder einer Dienstleistung. Das sind etwa Verbesserungen der Komponenten und Materialien, der Software oder der Benutzerfreundlichkeit.
  • Prozessinnovation: Eine neue oder deutlich verbesserte Produktions- oder Liefermethode. Dazu gehören Änderungen an Techniken, Ausrüstung oder Software ein.
  • Marketinginnovation: Eine neue Marketingmethode, die wesentliche Änderungen im Produktdesign oder der Verpackung, in der Produktplatzierung, Produktwerbung oder Preisgestaltung beinhaltet.
  • Organisatorische Innovation: Eine neue Organisationsmethode in der Geschäftspraxis, Arbeitsplatzorganisation oder in externen Beziehungen.

Aber wie lassen sich Innovationen innerhalb des Unternehmens fördern?


Mitarbeiter*innen Freiraum geben

„Den meisten Unternehmen mangelt es nicht an innovativen Mitarbeitern“, sagt Innovationsberater Alexander Osterwalder. „Vielmehr mangelt es den innovativen Mitarbeitern an einem Raum, in dem sie neue Ideen entwickeln können.“ Mit diesem Raum sind nicht nur die zeitlichen Kapazitäten gemeint, die Beschäftigte für die Entwicklung und Umsetzung brauchen. Sondern sie brauchen auch Sicherheit und Rückhalt, wenn sich ihre Ideen am Ende als erfolglos erweisen. Denn:


Scheitern gehört dazu

Neue Ideen können scheitern. Wenn ein Unternehmen das nicht einplant oder sogar so viel Druck aufbaut, dass jede neue Idee funktionieren muss, sinkt auch die Bereitschaft bei den Mitarbeiter*innen. Sollen Innovationen möglich sein, braucht es also eine entsprechende Kultur. Experte Osterwalder: „Bei Innovationen geht es immer um hohes Risiko und wenig Sicherheit. Unternehmen stehen aber auf geringes Risiko und hohe Sicherheit.“ Das in Einklang zu bringen ist die Herausforderung.


Die Geschäftsführung muss dahinterstehen

Im Idealfall stellt die Geschäftsführung nicht nur die nötigen Frei- und Sicherheitsräume zur Verfügung, sondern fördert Innovationsprozesse aktiv und erkennt entsprechende Bemühungen an. „Wenn die Innovationstreiber im Unternehmen spüren, dass die Geschäftsleitung nur halbherzig bei der Sache ist, sind Demotivation und Scheitern vorprogrammiert“, sagt Unternehmensberater Albrecht von Bonin.


Auch kleine Innovationen können große Erfolge sein

Das Wort „Innovation“ klingt zunächst einmal sehr groß – nach einer bahnbrechenden Erfindung oder einem disruptiven Prozess. Aber davon sollte man sich nicht einschüchtern lassen. Nicht jede Innovation muss das „next big thing“ sein. Wird durch eine neue Idee ein interner Prozess schneller oder eine Anlage effizienter, bringt dies das Unternehmen ebenfalls Stück für Stück voran.


Interdisziplinäres Arbeiten fördert Innovationen

„Mit Blick auf die wachsende Komplexität der Welt stellen wir fest, dass wir viele Probleme gar nicht mehr aus der Perspektive einer einzelnen Disziplin heraus lösen können“, sagt Ulrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut. „Deshalb können wir viele Probleme nur lösen, wenn wir unterschiedliche Gewerke zusammenführen.“ Teams aus Personen unterschiedlicher Bereiche, mit verschiedenen Stärken und Perspektiven können zu einer ganzheitlichen Betrachtung und einer größeren Praxistauglichkeit beitragen.


Impulse von außen einholen

Doch selbst wenn man innerhalb des Unternehmens interdisziplinär an Lösungen und Innovationen arbeitet, lässt sich ein entstehender Tunnelblick manchmal nicht vermeiden. Ein frischer Blick von außen hilft dann, die Dinge ganz unvoreingenommen aus einem neuen Winkel zu betrachten. Solche Beratungsleistungen von externen Expert*innen kosten zwar Geld, lohnen sich häufig aber.


Innovationen finanzieren

Innovationsaktivitäten sind eine Investition in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens – und sie kosten Geld. Ohne die nötige Liquidität müssen Innovationsprozesse oft eingestellt oder können gar nicht erst gestartet werden. Häufig werden Innovationen aus internen Mitteln finanziert, da Unternehmen so keinen Business-Plan oder Absicherung für das Invest erbringen müssen. Doch um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten oder auszubauen, kann auch eine Fremdfinanzierung sinnvoll sein.