Klimaschutz – eine Investition für den Planeten und für Ihr Unternehmen

Eine Frau steht auf einem Feld und hält sich zwei Sonnenblumen vor das Gesicht


Im zweiten Teil unserer fünfteiligen Blogserie „Unternehmen im Wandel: Geschäftsmodelle und Investitionen für die neue Zukunft“ widmen wir uns dem Schwerpunktthema Klimaschutz.

Die anderen vier Teile finden Sie hier:

– Teil 1: Digitalisierung neu denken – mit Strategie zum Erfolg

– Teil 3: Fachkräftemangel – so machen Sie Ihr Unternehmen fit für den Arbeitsmarkt

– Teil 4: Lieferketten – wie sich Unternehmen vor Materialmangel schützen

– Teil 5: Innovationen – wer Neues wagt, gewinnt


Die Bekämpfung des Klimawandels ist die wohl größte globale Herausforderung der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Politisch, gesellschaftlich – und wirtschaftlich. Unternehmen müssen zunehmend ihren Teil dazu beitragen, den weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren und nachhaltig im wahrsten Sinne des Wortes zu wirtschaften. Das ist zum einen eine moralische und zum anderen immer mehr auch unternehmerische Verantwortung. Denn nur wer den Klimaschutz ernst nimmt, kann jetzt schon künftige Herausforderungen angehen – und von den neuen Möglichkeiten profitieren, die sich ergeben.

Eine größer werdende Herausforderung sind zum Beispiel Mehrkosten: Einer aktuellen prognos-Studie zufolge könnten die Preise im Stromgroßhandel bis 2030 um 50 Prozent steigen. Für die hiesige Industrie würde das deutlich höhere Belastungen bedeuten. In den Klimaschutz zu investieren, senkt also für viele Unternehmen langfristig Kosten. 

Investitionen in den Klimaschutz müssen für Unternehmen aber nicht nur Mittel zur Problemlösung sein. Sondern sie bieten auch Chancen, etwa um die Wettbewerbsfähigkeit und die Umsätze zu erhöhen. Laut Roland-Berger-Studie ist es 78 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten sehr oder ziemlich wichtig, dass Marken für die Umwelt unbedenkliche Produkte anbieten. 77 Prozent sind auch bereit, dafür mehr zu zahlen.


So viele Unternehmen investieren bereits in Klimaschutz

Die Themen Klimawandel und Klimaschutz sind in den Strategien der meisten Unternehmen bereits angekommen. In einer Umfrage von Deloitte unter europäischen Unternehmen gaben 70 Prozent der Firmen an, Schritte zur Steigerung der Energieeffizienz zum Beispiel in Gebäuden eingeleitet zu haben oder zu planen. Und immerhin knapp die Hälfte setzt auf energieeffizientere oder klimafreundlichere Maschinen, Technologien und Anlagen.

Oberste Priorität hat der Klimaschutz im deutschen Mittelstand allerdings eher nicht. Nach ihren Investitionszielen befragt, nimmt der Klimaschutz bei deutschen Firmen keinen der vorderen Plätze ein. In der KfW-Unternehmensbefragung aus dem Frühjahr 2021 gaben zwar 7 von 10 Unternehmen an, in diesem Jahr Investitionen tätigen zu wollen. Doch davon bezeichneten nur 18 Prozent den Klimaschutz als wichtiges Investitionsziel.


Mögliche Maßnahmen und Förderungen

Egal ob Produktion, Logistik oder Mobilität – ein Unternehmen klimafreundlicher aufzustellen und mit nachhaltigen Produkten auftrumpfen zu können, erfordert in der Regel eine Reihe von Maßnahmen und geschieht nicht von heute auf morgen. Einige kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen haben wir Ihnen hier zusammengestellt:

  • Bei neuen Anlagen und Maschinen auf Energieeffizienz achten: Laut der bereits angesprochenen KfW-Unternehmensbefragung plant knapp die Hälfte der deutschen Firmen in den kommenden zwölf Monaten Ersatzinvestitionen zu tätigen. Das bedeutet, dass sie vorhandene Maschinen und Anlagen ersetzen wollen. Solche Ersatzinvestitionen können gute Gelegenheiten sein, den eigenen Betrieb klimaschonender aufzustellen. Fast ebenso viele Unternehmen planen Investitionen für die Erweiterung ihres Geschäfts – auch beim Erwerb zusätzlicher Anlagen ist es sinnvoll, auf die Nachhaltigkeit der Neuanschaffungen zu achten.

    Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind Investitionen in klimafreundliche Anlagen und Maschinen zwar oft schwer zu stemmen. Doch die Mehrkosten lassen sich durch Förderungen teilweise abfedern. Zum Beispiel fördert das Bundeswirtschaftsministerium Industrieunternehmen, die ihre Produktionsprozesse durch Investitionen klimaschonender gestalten wollen.
  • Den Fuhrpark elektrifizieren: Auch für einen klimafreundlicheren Lieferverkehr gibt es Förderprogramme. In Berlin werden beispielsweise gewerblich genutzte Lastenräder gefördert, in Baden-Württemberg darüber hinaus elektrische Leichtfahrzeuge. Wenn die Europäische Kommission keinen Einspruch erhebt, soll es befristet bis Ende 2030 außerdem bald eine Sonderabschreibung von 50 Prozent für die Anschaffung elektrischer Liefer- und anderer Nutzfahrzeuge geben. Schon jetzt gilt: Elektroautos sind zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit.
  • Den Mitarbeiter*innen nachhaltige Mobilitätsangebote machen: Steuervergünstigungen gibt es außerdem für die umweltfreundliche Mobilität der Beschäftigten. Jobtickets sind steuerfrei, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen also weder Lohnsteuer noch Sozialversicherungsabgaben leisten, wenn das Unternehmen ihnen das ÖPNV-Ticket zahlt. Dienstfahrräder sind seit 2019 steuerlich stark begünstigt. Stellt das Unternehmen zum Beispiel einer Mitarbeiterin zusätzlich zum Gehalt ein Elektrofahrrad zur Verfügung, muss sie darauf keine Steuern und Abgaben zahlen.
  • Dienstreisen reduzieren: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass vertrauensvolle Besprechungen auch digital möglich sind. Auf Dienstreisen über hunderte Kilometer kann also sehr häufig verzichtet werden. Und wenn einmal nicht verzichtet werden kann, ist die Bahn eine umweltfreundliche Alternative zum Flieger.
  • Noch mehr Maßnahmen zum Klimaschutz hat der Verband Klimaschutz-Unternehmen, ein Zusammenschluss von knapp 50 deutschen Firmen, auf seiner Website zusammengestellt – von betrieblichem Carsharing über eine effizientere Drucklufterzeugung bis zum Einbau von Absorptionskältemaschinen.

Auch mit Förderungen sind Investitionen in den Klimaschutz jedoch häufig mit dem Einsatz größerer finanzieller Mittel verbunden. Zur Finanzierung bietet sich in dem Fall ein langfristiger Investitionskredit an, der die monatlichen Raten gering hält und genügend finanziellen Spielraum für den laufenden Betrieb lässt.


Neue Geschäftsfelder tun sich auf

Die Bedeutung des Klimaschutzes für die Wirtschaft zeigt sich auch im Wachstum der entsprechenden Märkte. 2019 haben deutsche Unternehmen 73,6 Milliarden Euro mit Waren, Bau- und Dienstleistungen für den Umweltschutz umgesetzt, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Gegenüber 2014 entspricht das einem Plus von 12,5 Prozent. Die Nutzung von Windkraft und Solarenergie, der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsverfahren, Produkte und Dienstleistungen zur Steigerung der Energieeffizienz: Das sind schon heute Wirtschaftsfelder mit Milliardenumsätzen, die in Zukunft sogar noch an Bedeutung gewinnen dürften.

Hier werden sich laufend neue Märkte entwickeln, auf denen sich Unternehmen mit ihren angepassten bestehenden oder mit innovativen Produkten behaupten können. Beispiel Solarbranche: Die Solarstrom-Produktion in Deutschland ist zwischen 2017 und 2020 um mehr als ein Viertel gewachsen. Beispiel Einzelhandel: 2020 wurden in Deutschland 15 Milliarden Euro Umsatz mit Bio-Lebensmitteln erwirtschaftet und damit rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Ob Energieerzeugung, Mobilität, Bauindustrie, Lüftungstechnik, Einzelhandel – die Liste der Branchen und Wirtschaftssegmente, die mit den richtigen Strategien vor großen Chancen stehen, ist lang.


Klimaschutz aus Verantwortung

Es lohnt sich also, dem Thema Klimaschutz eine höhere Priorität in der Unternehmensstrategie einzuräumen. Wie man dazu vorgehen kann? Eine Möglichkeit ist die Nutzung des „Sustainable Business Model Canvas“. Dabei handelt es sich um eine Vorlage, mit der sich das eigene Geschäftsmodell definieren und um nachhaltige Kategorien erweitern lässt.

Nicht zu vergessen: Klimaschutz in Unternehmen ist nicht nur eine Frage von Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit. Schließlich trägt auch die Wirtschaft eine Verantwortung dafür, den nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.