P2P Plattformen – ein internationaler Vergleich

DIE GEBURTSSTUNDE DES P2P LENDINGS

„Warum kann man für einen Kredit nur zur Bank gehen?“ Diese Frage stellten sich 2005 Dave Nicholson und seine Kollegen und gründeten daraufhin Zopa, die erste P2P Plattform weltweit. Wer einen Kredit wollte, musste nun nicht mehr zur Bank gehen, sondern konnte sich Geld von Privatpersonen leihen. Anleger wiederum hatten die Möglichkeit, direkt in Menschen und ihre Projekte anstatt in abstrakte Finanzprodukte zu investieren. Nachdem Zopa in Großbritannien den Anfang machte, folgten in den Jahren darauf viele andere Kreditmarktplätze in verschiedenen Ländern. Heute wollen wir neben Zopa noch Lending Club und Lendico einem internationalen Vergleich unterziehen.

Zopa ist nicht nur die älteste P2P Plattform weltweit, sondern auch die größte und erfolgreichste in Großbritannien. Seit der Gründung 2005 konnten Kredite im Wert von umgerechnet fast 700 Millionen Euro vergeben werden. Auf Zopa haben die Anleger die Möglichkeit ab umgerechnet circa 12,50 Euro anzulegen. Kreditnehmer können einen Kredit zwischen umgerechnet circa 1.250 und 30.000 Euro beantragen und dafür eine Laufzeit von zwei bis fünf Jahren wählen. Zopa konnte 2014 eine Ausfallrate von nur 0,17% verkünden. Ein Beleg für die hohen Standards des Scorings von Kreditnehmern. Zum Vergleich: In Deutschland werden durchschnittlich 2,5% aller Ratenkredite nicht vertragsgerecht zurückgezahlt.

P2P LENDING: VON GROSSBRITANNIEN BIS IN DIE USA

Schaut man in die USA so ist es Lending Club, das 2006 Prosper, dem Pionier auf dem US-Markt, folgte und mittlerweile weltweit am erfolgreichsten agiert. Seit der Gründung hat das Unternehmen ein Kreditvolumen von insgesamt circa 3 Milliarden Euro vermittelt. Anfang 2014 konnte Lending Club einen weiteren Erfolg feiern: Neben 24 anderen Unternehmen wurde Lending Club vom Forbes Magazin zu einem der vielversprechendsten Unternehmen der USA ausgezeichnet. Mit bis zu 29,99% haben Anleger eine sehr attraktive Renditechance.

P2P LENDING IN DEUTSCHLAND

Mit Lendico wird in Deutschland Ende 2013 der erste Kreditmarktplatz gegründet, der international und auf zwei Kontinenten Menschen günstige Kredite und gute Renditen ermöglicht. Das Besondere an Lendico: Ein Algorithmus stellt eine hohe Anlagequalität sicher und schützt vor Kreditausfällen. Anleger können bereits ab 25 Euro investieren und Kreditnehmer können Kredite zwischen 1.000 und 25.000 Euro beantragen. Kreditnehmer können sich auf einfache Prozesse und guten Service verlassen: Sollte der Kredit vorzeitig zurückgezahlt werden, fallen keine zusätzlichen Kosten an. In den ersten acht Monaten konnte Lendico Kreditanfragen im Wert von 350.000.000 Euro verbuchen.

VON LENDING CLUB BIS LENDICO: VIELE UNTERSCHIEDE, VIELE SCHNITTSTELLEN

Schon auf den ersten Blick lassen sich bei den drei Kreditmarktplätzen Unterschiede feststellen: verschiedene Ablaufprozesse, unterschiedliche Renditen und Laufzeiten. Doch alle P2P Plattformen – und das gilt nicht nur für die hier genannten – haben eins gemeinsam: Sie bringen private Anleger und Kreditnehmer online zusammen und wollen dabei traditionelle Banken außen vor lassen. Anleger und Kreditnehmer begegnen sich auf Augenhöhe und profitieren gegenseitig voneinander. Der Kreditmarktplatz schneidet die Bank als Mittelsmann aus dem Prozess heraus und kann die Kostenvorteile an beide Seiten – Kreditnehmer und Anleger – weitergeben.

Was schnell deutlich wird: Die Rolle der Banken ist dabei sich zu verändern. Und somit liegt Claus-Peter Praeg, der am Frauenhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) die Zukunft der Banken erforscht, nicht falsch, wenn er im Tagespiegel (16. Juni 2014) sagt: „Werden die Geldhäuser nicht bald aktiv, könnten sie in zehn Jahren nur noch Dienstleister für Unternehmen sein, die heute noch Start-ups sind.“

 

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