Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinkt

Insolvenzquoten je 10.000 Unternehmen in den Hauptwirtschaftsbereichen (Darstellung Lendico basierend auf Quelle: Creditreform Datenbank und Umsatzsteuerstatistik)

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte, entwickelten sich die Insolvenzzahlen in Deutschland im ersten Halbjahr 2016 weiterhin rückläufig. Die Zahl der Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, nahm um 4,8 Prozent ab. Damit setzt sich der Trend sinkender Insolvenzzahlen zum siebten Jahr in Folge fort.

Rückgänge in allen Wirtschaftsbereichen

Die positive Entwicklung trifft auf alle Wirtschaftsbereiche zu. Laut einer Branchenanalyse der Creditreform, macht das Dienstleistungsgewerbe mit knapp 56 % der Insolvenzen den größten Anteil am gesamten Insolvenzaufkommen aus. Gegenüber dem Vorjahr konnten die Dienstleister aber dennoch einen Rückgang von 6,2 % verzeichnen. Auch im Handel (-6,1 %) und Baugewerbe (-7,1 %) verringerten sich die Insolvenzen deutlich. Den stärksten Rückgang gab es mit 10,9 % im Verarbeitenden Gewerbe.  

Gründe für die positive Entwicklung

Niedrigzinspolitik

Die deutlich positive Entwicklung ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: Die stabile Wirtschaftslage und die Zinspolitik der EZB sorgen für Zuversicht unter den Unternehmen. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB sind Kreditfinanzierungen günstig zu haben. Aus dem gleichen Grund flüchten sich Investoren zunehmend in materielle Werte und bewirken damit einen Aufschwung in der Immobilien- und Baubranche und der allgemeinen Konsumfreude. Das sorgt für gute Auftragslagen und gesteigerten Umsatz bei den Unternehmen.

Stabiles Wirtschaftswachstum

Die deutsche Konjunktur ist weiter auf Expansionskurs, trotz einer eher moderaten Entwicklung der Weltwirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal 2016 um 0,7 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal zu. Die stabile Entwicklung der letzten Jahre sorgte auch dafür, dass viele Unternehmen einen Rückgang von Verschuldung und größere Eigenkapitalquoten aufweisen können und dadurch resistenter gegen kleinere Krisen geworden sind.

Gute Zahlungsmoral

Hinzu kommt, wie der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) berichtet, dass sich das Zahlungsverhalten weiterhin auf einem Rekordhoch befindet. In einer Umfrage meldeten 90 Prozent der Mitglieder des BDIU, dass Rechnungen momentan genauso gut oder sogar noch besser bezahlt werden als noch vor einem halben Jahr. Nur 14,2 Prozent der Firmen begleichen Rechnungen verspätet oder gar nicht.

Weniger Gründungen

Die sinkenden Unternehmensinsolvenzen stammen aber auch aus der gestiegenen Vorsicht bei Unternehmensgründungen. Kleine, junge Unternehmen sind meist insolvenzgefährdeter als große, etablierte Unternehmen. Durch die zunehmende politische Förderung von Nachhaltigkeit bei Unternehmensgründungen sind die jährlichen Gründungszahlen seit 2010 leicht rückgängig.

Insolvenzschäden gestiegen

Trotz rückläufiger Insolvenzen war 2016 ein starker Anstieg der Insolvenzschäden zu verzeichnen. Laut Bürgel-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum lagen die durch Insolvenzen verursachten Schäden bei circa 16,5 Milliarden Euro und damit rund doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass in diesem Jahr verstärkt mittlere und größere Insolvenzfälle auftraten, bei denen eine höhere Schadenssumme entstand. Dabei besteht die Gefahr, dass Kunden oder Lieferanten der insolventen Unternehmen die Auswirkungen der Insolvenz zu spüren bekommen oder sogar mit in die Insolvenz gerissen werden.   

Aktuelle Situation für Unternehmen

Weiterhin sind vor allem kleine und Kleinstunternehmen von Insolvenzen gefährdet. Zwar ist auch bei den Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 100.000 Euro ein leichter Rückgang (2,7 %) der Insolvenzen festzustellen. Allerdings überwiegt bei kleineren Unternehmen die Insolvenzgefahr: 66,0 Prozent aller Insolvenzen im ersten Halbjahr 2016 betrafen Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis höchstens 500.000 Euro.

Dennoch ist die momentane wirtschaftliche Lage für Unternehmen aller Größenordnungen positiv. Die stabil wachsende Wirtschaft eröffnet für Unternehmen ein ideales Umfeld für Wachstum und Investition. Zwar ist laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zu erwarten, dass das Wachstumstempo im zweiten Halbjahr 2016 niedriger ausfallen wird, doch können Unternehmen voraussichtlich dennoch in den kommenden Monaten von einem vorteilhaften Klima profitieren.  

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