„Vorhandene Barrieren durchbrechen – das ist das Ziel von OKRs“

Zeitgemäße Strukturen und Prozesse – das ermöglichen OKRs


Der Begriff OKRs steht für „Objectives and Key Results“ und bezeichnet eine Management-Methode, die Teams beim Festlegen messbarer Ziele unterstützt. Mitarbeiter*innen nehmen sich dabei für jedes Quartal eigene Ziele vor und werden auch in die Formulierung der Unternehmensziele miteinbezogen. Der Vorteil: Sie können sich dadurch besser mit den Zielen identifizieren und sind intrinsisch motiviert. Die Arbeit jedes Einzelnen hat somit einen direkten Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. 


Eine, die sich mit dem Thema auskennt, ist Reet Gill. Sie ist Business Managerin bei der ING im Bereich Business Banking und hat viel Erfahrung in der Arbeit mit OKRs.


Wir haben sie auf einen virtuellen Kaffee getroffen und mit ihr über Bedeutung von OKRs, die Vorteile für Unternehmen sowie mögliche Stolpersteine bei der Formulierung von OKRs gesprochen. 


Reet, wie würdest du einem Fünfjährigen erklären, was OKRs sind?

Um es mit den Worten von John Doerr, Erfinder der Methode, zu sagen: „Ideen sind einfach, auf die Ausführung kommt es an.“ Bei OKRs geht es vor allem darum, die Beiträge aller Mitarbeiter*innen für das Unternehmen messbar zu machen. Nicht nur Manager und Führungskräfte, sondern jeder im Unternehmen hat Zugriff auf die OKRs der anderen und sieht, woran die Kolleg*innen gerade arbeiten und welche Ziele sie verfolgen. Einem Fünfjährigen könnte man es so beschreiben: Es geht darum, wie du dich organisierst und wie das im Verhältnis zu allen anderen, die das tun, hilft. 


Was ist der Zweck von OKRs und warum sollten Unternehmen mit ihnen arbeiten?

In vielen Unternehmen gibt die Führungsetage ihre Ziele einfach nach unten weiter. Laut der Methode sollen jedoch nur 40 Prozent der Inhalte „von oben“ kommen, 60 Prozent aus der Belegschaft. Ich bin der Meinung, dass jedes Unternehmen mit OKRs arbeiten sollte, um vorhandene Hierarchien aufzubrechen. Unternehmen sollten sich dabei immer fragen: Was sind die Prioritäten für den Ausbau unseres Geschäfts und wie stimmt das mit unserer Unternehmensstrategie überein? 


Worauf sollten Unternehmen bei der Formulierung von OKRs achten?

Sie müssen messbar sein. Gelegentlich stelle ich fest, dass die OKRs von Unternehmen sehr vage formuliert sind. Oder es werden einfach die „Key Performance Indicators“ (kurz: KPIs) herangezogen, leicht verändert und in OKRs umgemünzt. Unternehmen sollten sich die Zeit nehmen darüber nachzudenken, was es ist, dass sie ändern und vorantreiben wollen. „Business as usual“ und die KPIs sollten dabei immer klar voneinander abgegrenzt werden. 


Wofür eignen sich OKRs nicht?

Bei OKRs geht es, wie schon erwähnt, nicht um KPIs oder die Messung der Performance eines Unternehmens. Vielmehr verfolgen OKRs einen klaren Zweck, sind an der Unternehmensstrategie ausgerichtet und ermöglichen die teamübergreifende Zusammenarbeit.


Was, wenn Mitarbeiter*innen ihre persönlichen OKRs nicht erreichen? Haben Sie dann versagt?

Nein, wenn die persönlichen OKRs nicht erreicht werden, kann man nicht von Scheitern sprechen. Ich empfehle ehrgeizige Ziele, getreu dem Motto „Shoot for the moon“. Wenn die OKRs jedes Mal erreicht werden, kann das auch bedeuten, dass die Unternehmen es sich etwas zu einfach gemacht haben und die Herausforderung gefehlt hat.


Vielen Dank, Reet! Möchtest du abschließend noch etwas ergänzen?

Unternehmen sollten verinnerlichen, dass OKRs nicht nur Transparenz schaffen, sondern auch vorhandene Silos aufbrechen. Einige Teams haben damit mehr zu kämpfen als andere, weil sie es gewohnt sind, in ihrer kleinen Welt vor sich herzuarbeiten. Diese Barrieren zu durchbrechen – das ist das Ziel von OKRs.