„Was Unternehmen zukünftig beherrschen müssen, sind Geschwindigkeit und Agilität.“

Die Gründer der vertical GmbH

Geschäftsführer Alexandre Seifert und Paul Martin (im Bild v.l.n.r.)
© vertical GmbH


Paul Martin ist ein Unternehmer, wie er im Buche steht. Als Mitgründer der vertical GmbH aus dem hessischen Sulzbach hat er es geschafft, aus eigener Kraft ein Unternehmen mit knapp 100 Mitarbeitern aufzubauen und es geschickt durch die Krise zu manövrieren. Zuversicht hat ihm dabei geholfen, aber auch sein Mut, Dinge anders zu machen und sich mit kreativen Lösungen den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.


Sie haben vertical im Alter von 15 Jahren gegründet. Wie kam es dazu?

Noch zu Schulzeiten habe ich zusammen mit meinem Geschäftspartner Alexandre Seifert in der Garage Computer repariert. Zuerst für Nachbarn, dann für kleine Anwaltskanzleien und irgendwann für mittelständische Betriebe. Als wir vertical 2002 gegründet haben, brauchten wir eine Sondergenehmigung des Vormundschaftsgerichts, weil wir noch minderjährig waren. Die Firma ist 14 Jahre lang gewachsen, aber unser Geschäftsmodell als klassischer IT-Dienstleister war kaum skalierbar und hatte wenig Alleinstellungsmerkmale. Deswegen haben wir 2016 einen radikalen Neustart gewagt. Mit dem neuen Ansatz sind wir bis heute erfolgreich. 


IT-Services als Mietmodell für Unternehmen: Wie funktioniert das?

Anstatt im Auftrag des Kunden individuelle Lösungskonzepte zu entwickeln, wie es die meisten IT-Dienstleister tun, haben wir ein Portfolio aus direkt abrufbaren Cloud-Services entwickelt, mit dessen Hilfe Unternehmen sich ihre IT-Arbeitsplätze einfach selbst zusammenstellen können. Dieses bieten wir als monatliche Miete über unsere App an. Das funktioniert wie eine Art Konfigurator: Das Unternehmen bildet virtuell seine Firmenstruktur ab und die MitarbeiterInnen entscheiden selbst, welche Services sie brauchen, um produktiv arbeiten zu können. Angefangen beim Notebook bis hin zu typischen Services wie E-Mail, Telefonie oder Datei-Sharing. Unternehmen erhalten dadurch absolute Transparenz, was ihre IT-Kosten angeht. 


Was hat es mit Ihrem Unternehmensmotto #FuckTheRoutine auf sich?

Das Motto ist absichtlich provokant, um einen Impuls zu setzen. Wir glauben daran, dass es die Aufgabe eines jeden Unternehmens ist, den Status Quo immer wieder zu hinterfragen. Veränderung ist ein konstanter Teil des Berufslebens und Bewahrertum hat nichts mit einer modernen Berufswelt zu tun. Wir haben unser Geschäftsmodell kontinuierlich angepasst und sind Risiken eingegangen. Deshalb wachsen wir auch konstant seit Jahren. Mit unserem alten Geschäftsmodell hätten wir die Corona-Pandemie nicht überlebt.


Welche Services werden von Ihren Kunden besonders häufig angefragt?

Wir haben uns während der Corona-Pandemie auf Workplace-as-a-Service fokussiert. Unsere App beinhaltet alles, was Unternehmen für einen modernen Arbeitsplatz brauchen. Die MitarbeiterInnen können sich ihr Homeoffice-Equipment selbst zusammenstellen und wir schicken es direkt zu ihnen nach Hause – fertig vorkonfiguriert. Was gerade besonders gut läuft sind Notebooks, Peripherie, Dockingstations, große Monitore und Konferenztechnik. Auf der virtuellen Ebene sind Kollaborations-Lösungen wie Microsoft Teams oder Dateiverwaltungsplattformen wie OneDrive aktuell sehr gefragt. 



Die vertical-App bietet hunderte direkt abrufbare Services aus einer Hand.
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Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie noch auf Ihr Geschäft?

Sie hat uns dabei geholfen uns noch stärker zu fokussieren, unser Geschäftsmodell kontinuierlich weiterzuentwickeln und es konsequenter in die Zukunft auszurichten. Überbleibsel wie aufwändige Individualprojekte haben sich nicht als krisenfest erwiesen und wurden daher eingestampft. 


Wie zeigt sich das in Ihren Zahlen? 

Wir sind im letzten Jahr um 30 Prozent gewachsen. Ich denke, das richtige Wachstum steht dieses Jahr an. Wenn Unternehmen wieder Luft atmen, in die Zukunft gucken und sich überlegen, wie sie ihr Geschäftsmodell zukünftig aufbauen können. Unsere Services spielen dann eine wichtige Rolle. Sie befreien die interne IT-Abteilung von Routine, damit sie die kerngeschäftsnahe Digitalisierung treiben kann, statt Notebooks zu verwalten.


Die Digitalisierung hat durch Corona an Fahrt aufgenommen. Ist das Thema mittlerweile in den Köpfen deutscher Unternehmen angekommen?

Die Corona-Pandemie hat den Unternehmen vor Augen geführt, dass sich die Welt verändert hat. Für die eigenen MitarbeiterInnen wurde eine digitale Infrastruktur für das mobile Arbeiten geschaffen. Das ist sehr wichtig, aber noch lang kein digitales Geschäftsmodell. Um Kosten zu sparen, wurden sogar viele Digitalisierungsinitativen eingestampft. Damit berauben sich die Unternehmen ihrer Zukunftschancen. Wenn ich als Unternehmer noch Geld aus den letzten erfolgreichen Jahren hätte, würde ich alles in ein innovatives Geschäftsmodell investieren, um zu verhindern, langsam, aber sicher abzusterben. 


Welche Risiken sehen Sie auf Unternehmen zukommen, die das Thema Digitalisierung verschlafen?

Die wird es nicht mehr lange geben. Digitalisierung ist nicht als Einmalprojekt zu verstehen und sie betrifft jede Branche. Die Innovationsgeschwindigkeit und die Technologiezyklen sind sehr schnell geworden und die Globalisierung sorgt dafür, dass der Wettbewerb aus jeder erdenklichen Ecke kommt. Das Einzige, das Unternehmen zukünftig beherrschen müssen, sind Geschwindigkeit und Agilität. Die Corona-Pandemie ist dafür ein guter Impulsgeber. 


Welche drei Dinge sollten Unternehmen berücksichtigen, damit die digitale Transformation gelingt?

Kontinuierliche Veränderung in die Unternehmenskultur einfließen lassen. Risiken eingehen, indem man alte Zöpfe abschneidet. Und zu guter Letzt, junge und erfahrene Leute zusammenbringen, um das Beste aus beiden Welten zu nutzen.


Das leere vertical-Büro. Die komplette Belegschaft ist derzeit im Homeoffice.
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Wofür verwenden Sie den ING Firmenkredit über 750.000 €? 

Wir wollen damit unser Serviceangebot erweitern und unsere App weiterentwickeln, um den Abruf neuer Services für unsere Kunden noch schneller und einfacher zu machen. Einfach klicken und loslegen ohne Integrations- und Projektaufwand. Geschwindigkeit und Flexibilität wird für die meisten Unternehmen künftig ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sein. Das wollen wir von IT-Seite unterstützen.


Wie sind Sie auf Lendico aufmerksam geworden?

Ich bin seit einiger Zeit Privatkunde der ING. Als wir Finanzierungsbedarf hatten, habe ich nach einer digitalen Lösung gesucht und mich wieder an die Bank erinnert. Über die Website bin ich dann auf Lendico gestoßen. 


Was hat Sie an Lendico überzeugt?

Der Antragsprozess ging sehr schnell. Ich habe ein paar Fragen beantwortet und die Unterlagen zusammengetragen. Die hat man als Unternehmer sowieso immer parat. Der Prozess hat keine zehn Minuten gedauert und bevor ich überhaupt in der Lage war mit anderen Banken zu sprechen, hatte Lendico einen Tag später schon angerufen. Das war an Weihnachten (lacht).


Wie haben Sie sich zuvor finanziert und würden Sie sich noch einmal für eine Finanzierung mit Lendico entscheiden?

Wir haben uns vorher über klassische Banken und den eigenen Cashflow finanziert. Mit der Erfahrung, die wir gemacht haben, würde ich mich immer wieder für Lendico entscheiden. Der Aufwand war gering und alles ging unglaublich schnell. Von der Finanzierungsanfrage bis zur Auszahlung ist gerade mal eine Woche vergangen.


Welche Pläne haben Sie für 2021?

Wachstum. Wir haben in den letzten Jahren hart gearbeitet und fleißig investiert, um Kunden mit unserer Technologie einen einmaligen Service zu bieten. Das müssen wir jetzt in Marktanteile umwandeln. Die Zeit und Bereitschaft der Kunden, in die Cloud zu gehen, ist endlich da und wir wollen uns von nichts ablenken lassen, um Marktführer im Bereich Workplace-as-a-Service zu werden.