Retter der analogen Bilder

CEO Frank Nikolaus Golomb vor seinem Büro in Köln.

Frank Nikolaus Golomb, Geschäftsführer von United Archives.

Wie ein Kölner Unternehmen mit einem Lendico-Firmenkredit wertvolle Bilder bewahrt

Mit Smartphone und Instagram ist heute jeder Fotograf, sodass die analoge Fotografie nur noch was für wenige Liebhaber ist. Aber unzählige Fotosammlungen, teils mit zeithistorischem Wert, existieren noch. Doch was passiert mit diesen?

Gerade in den großen Medienverlagen fristen sie meist ein recht tristes Dasein in Archiven – oder werden gar vernichtet, weil sie nicht mehr benötigt werden. Damit sind diese Dokumente, die beispielsweise das Leben der Menschen in Europa während der Nachkriegszeit dokumentieren, für immer verloren.


Bewahrer der Geschichte

Für Frank Nikolaus Golomb, den Geschäftsführer und Alleingesellschafter von United Archives, sind Bilder Kulturgüter – und deswegen gilt es sie zu bewahren. Mit seinem Kölner Unternehmen United Archives konzentriert sich der Diplom-Kaufmann auf die Digitalisierung von umfangreichen Bildarchiven, welche mit den dazugehörigen Rechten erworben werden. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf älteren Motiven und Archiven, die sowohl zeithistorisch als auch kulturell von Bedeutung sind.

Etwa das Fotoarchiv von Gruner + Jahr Entertainment Media, das United Archives übernommen hat. In solchen Fällen ist dann das siebenköpfige Team von United Archives gefragt. Denn nicht alle Originale, also Negative oder 6×6 Dias, können aufgrund des Archivvolumens digitalisiert und online gestellt werden. Gemeinsam wird zunächst überlegt, welche Themen interessant sein könnten. Die Entscheidung, welche Inhalte angefasst und bearbeitet werden, wird beeinflusst durch einen Mix aus denkbaren Zukunftsthemen und wirtschaftlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit.


Analoge Fotosammlung aus dem Archiv

Optimierte Unternehmensstruktur

Nach dem Scannen werden die Motive fototechnisch nachgearbeitet, aber auch Farben korrigiert oder Kratzer entfernt. Danach erfolgt die Metadatenvergabe, das heißt die redaktionelle Verschlagwortung, damit die Motive auch gefunden werden können. Im Anschluss werden die digitalen Fotos zur Distribution in die Vertriebsdatenbanken gegeben. Erst dann werden die Vertriebspartner aktiv. Hierzu gehören etwa die dpa picture alliance und die Süddeutsche Zeitung. Beide verfügen bereits über ein großes Bildangebot und vertreiben die Fotos von der United Archives mit. „Einige Vertriebspartner sind auch über eine digitale Schnittstelle direkt an uns angebunden. Wenn somit in unsere Datenbank Fotografien eingespielt werden, sind sie sofort auf allen möglichen Marktplätzen präsent“, erklärt Frank Nikolaus Golomb. So werden über ein Netz von Vertriebspartnern mehrere 1.000 Fotos pro Monat lizenziert.

Ist die Digitalisierung erfolgt, startet die Suche nach möglichen Interessenten. Sammler, Museen und auch Unternehmensarchive sind hier die Zielgruppe. Die Rechte verbleiben bei United Archives. Wirkliche Konkurrenz gäbe es laut dem erfahrenen Unternehmer übrigens nicht. Lediglich im Basisgeschäft, der Lizenzierung der digitalisierten Fotos bei Verlagen, herrsche ein großer Preisdruck. Mit seinem Geschäftsmodell und dem Fokus auf historische Aufnahmen hat sich die United Archives GmbH somit eine einzigartige Position am Markt erarbeitet.

Zu den Kunden von United Archives gehören professionelle Bildverwender wie beispielsweise Verlage. Aber es gibt auch einen großen, lukrativen Sammlermarkt, den das Unternehmen über einen Online-Marktplatz ebenfalls bedient. Schließlich besitzt der Kölner Betrieb zahllose Originale, sprich Abzüge, die ein Fotograf selbst gemacht hat. Aus diesem Grund zählen hin und wieder auch Museen zu den Abnehmern. Sie erwerben meist ganze Bestände bei United Archives, die aus Nachlässen von Fotografen gefiltert und exakt auf den Sammlungsfokus des Museums abgestellt sind. Und schließlich sind es gelegentlich auch Privatpersonen, die ein hochauflösendes Bild erwerben, um es für den eigenen Bedarf auszudrucken.



Mehr Flexibilität durch Fremdfinanzierung

Seit der Gründung des Unternehmens 2008 haben sich viele Bilder angesammelt: auf mehrere Millionen Fotografien als Scanvorlagen kommt United Archives inzwischen, die rund um Köln in vier Lagern auf etwa 500 Quadratmeter Fläche stehen.

Für die Übernahme von drei fotografischen Nachlässen, nahm der Geschäftsführer einen Firmenkredit bei Lendico in Höhe von 40.000 Euro auf. Die analogen Fotografien werden nun mit dem Kredit komplett digitalisiert. Auf den ersten Blick ein recht kleiner Betrag, stellt die Fremdfinanzierung jedoch sicher, dass Nikolaus Frank Golomb finanzielle Flexibilität behält und schneller Einnahmen aus der Vermarktung der Nachlässe generiert.

„Hätte ich das Vorhaben rein aus dem Cashflow finanziert, wie die meisten Übernahmen in den letzten zehn Jahren, hätte ich meinen Handlungsspielraum stark eingeschränkt. Die vereinbarten Konditionen sorgen nun für eine gut planbare Rückzahlung des Kredits aus einem Teil des zusätzlichen Cashflows.“ Überzeugt hat den Kölner Unternehmer letztlich auch die Tatsache, dass Lendico auf die Vorfälligkeitsentschädigung verzichtet, denn möglicherweise wird er den Kredit auch schon früher zurückzahlen.