Lieferketten – wie sich Unternehmen vor Materialmangel schützen

Ein Containerschiff verlässt einen Hafen


Im vierten Teil unserer fünfteiligen Blogserie „Unternehmen im Wandel: Geschäftsmodelle und Investitionen für die neue Zukunft“ widmen wir uns dem Schwerpunktthema Lieferketten.

Die anderen vier Teile finden Sie hier:

– Teil 1: Digitalisierung neu denken – mit Strategie zum Erfolg

– Teil 2: Klimaschutz – eine Investition für den Planeten und für Ihr Unternehmen

– Teil 3: Fachkräftemangel – so machen Sie Ihr Unternehmen fit für den Arbeitsmarkt

– Teil 5: Innovationen – wer Neues wagt, gewinnt


In China infiziert sich ein Hafenarbeiter mit Corona – und in der Folge stauen sich Lieferungen weltweit. So geschehen in Ningbo-Zhoushan, dem drittgrößten Containerhafen der Welt, in dem ein Terminal wegen des Corona-Falls geschlossen wurde. Das genügt, um globale Lieferketten um Wochen zu verzögern.

Lieferketten sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eigentlich immer effizienter geworden. Nach dem „Just-in-time-Prinzip“ werden Waren und Vorprodukte erst dann angeliefert, wenn sie gebraucht werden. Die Lagerhaltung kann so minimiert werden, die Kosten bleiben gering. Doch die Corona-Krise und Ereignisse wie die Blockade des Suez-Kanals durch das Containerschiff „Ever Given“ haben gezeigt, dass dieses hocheffiziente System auch anfällig sein kann.

Im August 2021 hat eine DIHK-Umfrage ergeben, dass 83 Prozent der deutschen Unternehmen von Lieferschwierigkeiten oder erhöhten Materialpreisen betroffen sind. Vor allem die Industrie steht vor Problemen, aber auch weite Teile des Einzelhandels und sogar viele Dienstleistungsunternehmen. Hohe Einkaufspreise, lange Wartezeiten und Umsatzausfälle sind die Folge. Engpässe von Stahl bis Kunststoff, von Verpackungen bis Elektronikkomponenten gefährden den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Corona-Krise.

Wie können sich Unternehmen auf Lieferschwierigkeiten vorbereiten? Und was tun, wenn die Lieferungen ausbleiben? Es gibt mehrere Strategien, die Unternehmen anwenden können und auch bereits vermehrt anwenden.


Lagerkapazitäten und Vorräte vergrößern

Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, die ihr Liefernetzwerk nicht ohne Weiteres ausbauen können, ist eine Ausweitung der Lagerhaltung eine sinnvolle Option. Knapp 28 Prozent der KMU haben bereits entsprechende Planungen angestellt, wie es in einer ifo-Studie aus dem August 2021 heißt.

Natürlich ist auch eine Vergrößerung der Lagerkapazitäten mit Investitionen und Kosten verbunden. Hinzu kommt, dass bei einer verstärkten Lagerhaltung auch mehr Waren, Vorprodukte oder Rohstoffe vorfinanziert werden müssen. Doch dafür lässt sich der Geschäftsbetrieb bei Lieferengpässen länger aufrechterhalten – was ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz sein kann.


Lieferanten-Netzwerk erweitern

Wer auf mehrere Zulieferer setzt und dabei auch auf eine vielfältigere regionale Verteilung achtet, ist weniger abhängig von einzelnen Lieferketten und lokalen Ereignissen. Doch gerade für kleinere Unternehmen ist dies oft schwer umzusetzen. So planen der ifo-Studie zufolge nur 19 Prozent der Klein- und Kleinstunternehmen entsprechende Diversifizierungsstrategien. Für mittlere Unternehmen kommt die Erweiterung der Zulieferer hingegen eher infrage: Knapp 27 Prozent planen, so vorzugehen. Bei den Großunternehmen will sogar jedes dritte sein Liefernetzwerk diversifizieren.


Mit anderen Unternehmen zusammenschließen

Was alleine nicht funktioniert, klappt vielleicht gemeinsam: In der Kunststoff-Industrie plant angesichts der Lieferschwierigkeiten jedes vierte Unternehmen, sich mit anderen zu Einkaufskooperationen zusammenzuschließen. Ein anderer Ansatz, um zusammen mehr zu erreichen, sind Unternehmensverbände. Diese können zum Beispiel durch politischen Druck die Lösungsfindung beschleunigen oder durch Erfahrung und ihre Netzwerke individuell Unterstützung leisten.


Fazit: Risiken minimieren und Wettbewerbsvorteile sichern

Für welche Strategie man sich angesichts von Lieferengpässen auch entscheidet – sie ist in der Regel mit Kosten und Mühen verbunden. Dafür spart man sich wiederum Kosten, die an anderer Stelle entstehen: etwa in Form von erhöhten Einkaufspreisen oder einem betrieblichen Leerlauf. Zumal eine höhere Resilienz gegenüber Materialmangel – beispielsweise durch einen Ausbau der Lagerhaltung – auch einen Wettbewerbsvorteil bedeuten kann.